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 Die aufgeführten Begriffe sind nicht immer vordergründig gnostische Spezialbegriffe. Desgleichen sind die angeführten Artikel nach Notwendigkeit erstellt, also nicht immer bewußt kurz gehalten. Stichworte, die an anderer Stelle ausführlich behandelt werden, sind durch  und Fettdruck gekennzeichnet. Bei der Behandlung allgemeiner Themen haben wir uns nicht immer an die gängigen Versionen gehalten wenn dies nicht zweckdienlich erschien. Bei im Projekt näher ausgeführten Problemen finden Sie ebenfalls einen Hinweis darauf.
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Wichtige Begriffe
Freimaurer - noch bestehender sogenannter Geheimbund, der sich ausschließlich aus männlichen Mitgliedern um die Dreißig und darüber rekrutiert. Die Mitglieder werden meist gezielt in bedeutenden Positionen des gesellschaftlichen und geistigen Lebens geworben, aber auch in der Handelswelt sind freimaurerische Kontakte wesentlich. Organisiert sind die Freimaurer in sogenannten Logen, die verwaltungsrechtlich manchmal sogenannten Großlogen unterstehen, obgleich dies nicht zwangsläufig ist und die einzelnen Logen auch eine große inhaltliche wie technische Selbständigkeit besitzen. Innerhalb dieser Logen herrscht eine strenge Hierarchie, die mit der Zuteilung von "geheimem" Wissen verbunden ist. Am wenigsten wissen die sogenannten "Lehrlinge", am meisten Einblick in die Lehre der Freimaurerei haben die "Meister vom Stuhl" als Leiter der Logen. Im Gegensatz zu manchen Religionsgemeinschaften ist es bei den Freimaurern aber erwünscht, im Rang und damit im Wissen aufzusteigen. Die Gesellschaft gründete sich im achtzehnten Jahrhundert als Vereinigung zur Aufklärung in Konfrontation zur christlichen Ultraorthodoxie protestantischer wie katholischer Provenienz und in politischer Opposition zum Absolutismus. Vor allem von den Logen in Paris und London gingen bedeutende emanzipatorische Impulse aus. Freimaurer waren auch maßgeblich am amerikanischen Unabhängigkeitskampf und an der Konstituierung der Republik beteiligt. Von kurzen Perioden der Duldung abgesehen wurden die Freimaurer in Europa meist verfolgt und ihre Mitglieder gesellschaftlich diffamiert, was wohl auch zur Geheimhaltung der Logenzugehörigkeit beigetragen hat. Vom Nationalsozialismus in Deutschland erbittert verfolgt, konstituierten sich die deutschen Freimaurer nach 1945 in ganz Deutschland neu, wobei sie in der Bundesrepublik ihrer bürgerlichen Traditionen wegen erlaubt, in der DDR eben derselben Traditionen wegen verboten waren, aber dennoch existierten. - Die Lehre der Freimaurer, die sich selbst auf ägyptische Traditionen berufen (allerdings nicht nachweisbar) und die ihre rituellen Formen aus den (angenommenen) Sitten der mittelalterlichen Kirchenbauhütten ableiten, ist im Wesentlichen bürgerlich - liberal und versteht sich als überkonfessionell. Mit dieser Liberalität geht sowohl gesteigertes wirtschaftliches Interesse als auch die Verpflichtung zu Wohltätigkeit einher. Kern der Bestrebungen ist die Veränderung der "Architektur der Welt" nach einem vorgeblichen "göttlichen Plan", dessen Einzelheiten der Aufsteigende nach und nach erfährt. Diesem Ziel hat der einzelne Maurer mit all seinen Kräften zu dienen. Der Einfluß der Freimaurerei als Ganzes wird dabei sicher überschätzt, der Einfluß der einzelnen Mitglieder der Logen aber öffentlich eher unterschätzt. Von einer weltweiten Verschwörung zu sprechen ist sicher falsch - davon zu sprechen, daß der Einfluß einzelner Freimaurer und auch von ganzen Logen nicht immer den Gesamtinteressen der Menschheit entspricht und entsprochen hat, ist aber sicher richtig, da die Freimaurerei bürgerlichen Liberalismus und Vernunft nahezu gleichsetzt. Statt Schwache zu stärken beschränkt sie sich darauf, allenfalls Schwache zu schützen. Da zur Verwandtschaft der Autorin auch "Bundesbrüder" gehörten und gehören, kann sie aus deren Verhalten und Werdegang vieles ersehen, ohne daß diese "Brüder" ihr gegenüber irgendein Gelübde gebrochen hätten. - Die Rolle der Frau in der Freimaurerei ist eher untergeordnet, obwohl es in letzter Zeit auch zur Gründung von Frauenlogen gekommen ist. Zu den Lehren und Veranstaltungen der Männerlogen haben sie keinen Zugang. Die Rolle der Familie und ihr Wohl stehen in der traditionellen Maurerei aber hoch in Ehren und somit auch die moralische Integrität ihrer Mitglieder in dieser Hinsicht. Scheidungen werden toleriert, aber nicht gefördert. Daneben lassen die Überzeugungen der Freimaurer aber auch andere Formen des Zusammenlebens zu, was dazu geführt hat, daß sie starken Zulauf von intellektuell orientierten Homosexuellen bekommen haben. Ein "Homosexuellenklub" sind sie dadurch aber nicht geworden. - Da sich ihr Wirken meist im Verborgenen vollzieht und auf die Aktivitäten des Einzelnen abgestellt wird, sind die Freimaurer immer wieder in den Verdacht geraten, eine internationale Verschwörung darzustellen. Ob dieser Verdacht zu Recht besteht, wird sich zeigen, bisher ist er außer in einigen exzentrischen Konstruktionen nicht zu belegen. Außer Frage steht allerdings die internationale Verflechtung der Logen untereinander, die zumeist auf informellem Wege aufrecht erhalten wird. Die Freimaurerei rechnet auch die alten Gnostiker unter ihre geistigen Vorfahren und ist der Meinung, auch gnostisches Gut in ihrer Architektur "verbaut" zu haben. Dabei steht die Annahme im Vordergrund, daß auch die gnostischen Schulen "Geheimbünde" und ihre Lehren "Geheimlehren" gewesen seien, was aber nicht durchweg den Tatsachen entspricht. Zwischen der Freimaurerei und der modernen Gnosis gibt es trotz mancher oberflächlichen Berührungspunkte erhebliche und tiefgreifende Unterschiede, die von der Frage der Geschlechtertrennung und Ritualistik bis hin zu kosmologischen, kosmogonischen und existentialphilosophischen Problemen gehen. Von der Freimaurerei haben sich in den zwei Jahrhunderten ihres Bestehens diverse Gesellschaften abgespalten, deren berühmteste die sogenannten Rosenkreuzer sind.
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Friedrich II - 1194 - 1250 Sohn des deutschen Kaisers Heinrich VI von Hohenstaufen und Enkel Kaiser Friedrich I (Barbarossa) Durch seine Mutter Konstanze von Sizilien war er Erbe der normannischen Besitzungen in Süditalien, aber auch päpstlicher Vasall, was einerseits sein Leben rettet, ihm aber andererseits immer wieder Mißhelligkeiten brachte. Die von seinem Vater verfügte Nachfolge Friedrichs auf dem deutschen Kaiserthron wurde zunächst übergangen, erst sein Onkel Philipp, ein anderer Barbarossasohn, dann Otto IV der Welfen als Kaiser akzeptiert. Friedrich blieb allein das mütterliche Erbe, allerdings in einem durch ihren Tod und die nachfolgende Mißwirtschaft eines Klüngels deutscher Ritter bedingten desolaten Zustand. Früh mit islamischen Vorstellungen (Sizilien war vor der Herrschaft der Normannen lange ein Teil der islamischen Welt gewesen) bekannt geworden entstand der Plan von einer christlichen Entsprechung zur islamischen Umma, an der Friedrich sein gesamtes weiteres politisches Handeln ausrichtete. Es gelang ihm in Süditalien einen straff zentralisierten Beamtenstaat zu konstituieren, der durch eine für seine Zeit bemerkenswert moderne Zivil- und Strafgesetzgebung zusammengehalten wurde ( 1220 Assisen von Capua und darauf aufbauend 1231 die epochemachenden Konstitutionen von Melfi). Nachdem ihm durch die politische Kalkulation des Papstes Innozenz III 1211 auch die deutsche Königs- und damit der Anspruch auf die Kaiserwürde zuerkannt worden war, versuchte er in einem achtjährigen (1212 - 1220) Aufenthalt auch Deutschland in diesen Plan einzubeziehen, gab aber, an den Souveränitätsbestrebungen der deutschen Feudalherren gescheitert, im Herbst 1220 auf und widmete sich in den nächsten Jahren (bis nach 1232) der Aufgabe, in seinem mütterlichen Erbland Apulien den bereits konstituierten Musterstaat zu festigen. Bei seinen Bemühungen geriet er immer wieder in Konflikt mit dem Papsttum, das sich durch seine Zielstrebigkeit und politische wie auch konzeptionelle Kühnheit in die Defensive gedrängt sah und sich außerdem als Inhaber der universale Macht in Europa empfand, die ein selbständiges Kaisertum nicht dulden konnte. In diesem Konflikt wurde Friedrich mehrmals vom Papst gebannt - allerdings wehrte Friedrich die Folgen eines solchen Kirchenbannes immer wieder ab und kam durch intensive Diplomatie immer wieder zu Versöhnungen, die freilich nicht halten konnten - die Interessen der beiden Kontrahenten waren zu ähnlich, sie strebten beide nach der absoluten Vormachtstellung in der Christenheit. 1228/29 unternahm Friedrich als Gebannter einen vom Papst nicht befohlenen Kreuzzug, der seine Stellung zum Islam deutlich machte - es gelang ihm ohne kriegerische Handlung Jerusalem und die "heiligen Stätten" der Christenheit auf dem Verhandlungswege für zunächst zehn Jahre zurückzugewinnen. Zu einer Verlängerung des Waffenstillstands kam es dann allerdings nicht mehr - 1239 ließ Friedrich die eroberten Gebiete an das Sultanat zurückfallen, da er seine Kräfte in Norditalien gebunden hatte. 1249 setzte Papst Innozenz IV den Kaiser auf dem Konzil von Lyon ab, wohin er sich geflüchtet hatte, was einmalig war und besonders im politisch eh instabilen Deutschland zu erheblichen Verwerfungen führte. In Apulien hatte die Absetzung hingegen keine Konsequenzen, auch nicht im europäischen Kräftespiel; die übrigen Könige teilten Friedrichs Meinung darüber, daß dies eine unerlaubte Einmischung des Papstes wäre und akzeptierten die Absetzung nicht, sondern verhandelten mit ihm wie zuvor. 1250 hatte Friedrich im Gegenteil trotz vieler Opfer und Niederlagen den höchsten Stand seiner Macht erreicht und plante für das folgende Jahr unter starker gesamteuropäischer Beteiligung einen Zug nach Lyon mit dem Ziel, das Papsttum als politische Macht endgültig zu zerschlagen und ihm lediglich eine Art Kalifat, also geistliche Oberaufsicht zu belassen, wenn das noch möglich war. Wenn nicht, war er entschlossen, das Papsttum durch einen an Byzanz orientierten Cäsaropapismus zu ersetzen. Zu diesem Zug, der die europäische und die Geschichte des Christentums unweigerlich verändert hätte, kam es nicht mehr - am 13. Dezember 1250 raffte eine Infektion, die er sich vermutlich beim Jagen in sumpfigem Gelände zugezogen hatte, den Kaiser nach wenigen Tagen hin. Die einsetzende Rache des Papstes führte zur völligen Vernichtung der Staufer, die nur in der weiblichen Linie weiterexistierten. Mit der Niederlage und dem Tod Manfreds (seines - halblegalen - Sohnes und Königs von Apulien) bei Tagliacozzo endete auch der apulische Staat und fiel an das französische Haus Anjou. - Friedrich war zu Lebzeiten ein Hoffnungsträger der verschiedensten Kräfte gewesen - nach seinem Tode wurde er zu einer mythischen Figur, wozu die zu seinen Lebzeiten vom Papst gegen ihn initiierte Antichrist - Propaganda wesentlich beitrug. Seine tatsächliche Bedeutung als Protagonist der Moderne trat dagegen zurück; er wurde zu einer Heilandsfigur und man glaubte, vor allem in Deutschland, wo die meisten Hoffnungen enttäuscht worden waren, an seine eschatologische Wiederkehr als Signal des Endgerichts. Die Fakten sind ernüchternder. Friedrich war mitnichten eine messianische Gestalt. Er war, wiewohl interessiert an philosophischen Fragen, kein Philosoph, sondern durch und durch Realpolitiker - allerdings einer mit Visionen, die sich in politische Pläne umsetzten. Den häretischen Bewegungen seiner Zeit stand er fremd gegenüber, sah in ihnen sogar eine Bedrohung seiner eigenen Intentionen ohne sich im Mindesten um ein Verständnis zu bemühen. Staatstragende Ideologien wie das Judentum und den Islam tolerierte er hingegen ohne sich ihnen anzuschließen - er blieb ein Christ, freilich mit einem sehr eigenständigen Begriff von Christentum, der sich auch in der Symbolik der von ihm errichteten Bauten ausspricht, insbesondere in dem als Grablege der Staufer konzipierten Schloß Castel del Monte. (Im sechzehnten Jahrhundert nahm unter ganz anderen Voraussetzungen aber mit ähnlicher Motivation Philipp II von Spanien die Idee wieder auf und erbaute zu diesem Zweck den Escorial - mit entschieden mehr Prunk, dafür mit sehr viel weniger Raffinesse im Herstellen von universalen Bezügen.) In seinem Privatleben, das von den katholischen Biographen als skandalös geschildert wird, war Friedrich unabhängig von jeder Art Moralkodex. Er war aber kein Wüstling, sondern eher auch hierin ein Realist, der durchaus auch zu sehr tiefen Gefühlen fähig war, wie seine Beziehung zu seinem "Premier" Pietro de Vinea und seiner "Konkubine" Bianca Lancia zeigen, sowie die verbürgte Absicht, seinen Sohn Heinrich (VII), der als deutscher König gegen ihn revoltiert hatte und daher von ihm verurteilt werden mußte, nach einigen Jahren der Haft zu begnadigen. Dazu kam es nicht mehr, da Heinrich, im Glauben ewig ein Gefangener zu bleiben, bei der Überführung in ein neues (und besseres) Gefängnis als Vorstufe zur Begnadigung Selbstmord beging. Hatte ihn die Revolte Heinrichs eher als Politiker getroffen so war der Selbstmord ein Schlag, den er nur schwer verwand. Ebenso schwer traf ihn der - in Einzelheiten niemals erklärte - Verrat Vineas, sowie eine dem vorausgehende von Rom initiierte) weitgefächterte Verschwörung, in die viele Personen seines Vertrauens verwickelt waren. - Für unsere Zeit hat Friedrich Bedeutung als ein Paradigma dafür, daß zentrale Gewalt nicht notwendig mit Despotismus einhergehen muß und daß eine eigenständige Lebensführung und geistige Ausrichtung nicht notwendigerweise in Dekadenz und Oberflächlichkeit enden muß. Sein Leben ist ein Beispiel dafür, daß Macht über Menschen den Charakter dessen, der sie ausübt, nicht notwendigerweise verderben muß, sondern daß solche Macht auch verantwortlich ausgeübt werden kann ohne daß wiederum die Autorität des Ausübenden leidet. Er ist aber auch ein Beispiel dafür, daß Pragmatismus in der Machtausübung gebunden sein muß an ein festgefügtes Konzept und nur so eine positive Zukunftswirkung haben kann. Er ist ein Beispiel dafür, daß aktuelle Entscheidungen durchaus mit dem Blick auf das Künftige getroffen werden können und eine säkulare Staatsführung der Entfaltung verschiedener Bekenntnisse und der gegenseitigen Toleranz nicht im Weg steht, sonder sie befördert. - Man hat die Ketzergesetze Friedrichs als Beweis von dessen Intoleranz angeführt - sie sind eher ein Beweis dessen, daß er auf eigenem Feld keine Einmischung duldete und die Idee der Gesamtgesellschaft nicht durch atomisierende Tendenzen gefährdet sehen wollte. Dabei muß man beachten, daß die von Friedrich verworfenen Häretiker oft Bundesgenossen der ihm feindlichen norditalienischen Stadtrepubliken waren und mehr als einmal Subversion auf seinem Territorium getrieben hatten. Er hatte also alles Recht, sie in seinem Machtbereich kurz zu halten. Wenn man bedenkt, daß zur fast gleichen Zeit die Katharer Südfrankreichs sich, in äußerster Bedrängnis, in der Hoffnung wiegten, ausgerechnet von Friedrich Hilfe zu erhalten, wird klar, welche Ausstrahlung seine Person hatte. Und es steht sehr zu bezweifeln, daß er im Falle eines Sieges über den Papst die Verfolgung der Katharer fortgesetzt hätte, da sie politisch ja keine Konkurrenz bedeuteten, sondern die Bundesgenossen Derer waren, die unter dem Papsttum genauso stöhnten wie er selbst. Sie hätten sich dann schon, wie die norditalienischen Ketzer, ausdrücklich gegen ihn erklären müssen. Gegen den französischen König, der mit ihm im Bündnis war, hätte er ihnen allerdings nicht helfen können, sondern nur vermittelnd eingreifen. 1244 aber war er durch die norditalienischen Unternehmungen nicht imstande, irgendwo einzugreifen. Man sagt, Friedrich sei ein geschworener Feind der bürgerlichen Emanzipation gewesen und daran ist ohne Zweifel etwas Wahres. Denn diese bürgerliche Freiheit erschien ihm eher wie Freibeuterei - und wenn man sich die Entwicklung dieser Freiheit zur gegenwärtigen Lobbyistenpolitik ansieht, kann man Friedrichs Voraussicht nur bewundern. Für einen Mann, der in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts schon an Umweltpolitik als wesentlichen und wichtigen Faktor beim Funktionieren eines Staates zu denken imstande war, kann dieses Gesellschaftsmodell keine verlockende Seite gehabt haben. Die technischen Errungenschaften des bürgerlichen Wirtschaftsbetriebes hat er aber gern angenommen, da sie ihm bei der Verwaltung hilfreich sein konnten und er dies ohne weiteres zu erkennen vermochte - Beispiel dafür, daß Innovation nicht einhergehen muß mit einer Freigabe unternehmerischer Willkür und straffe Herrschaft nicht zu einem Zurückbleiben der Entwicklung eines Staates führen muß. Apulien war moderner als es die norditalienischen Republiken waren und Deutschland, das sich dieser Modernisierung verweigerte, fiel in der Folgezeit immer mehr zurück - es erholte sich erst im sechzehnten Jahrhundert einigermaßen um dann im siebzehnten erneut zum Spielball der europäischen Politik zu werden und zum Schlachtfeld eines dreißigjährigen Krieges. - Friedrich war kein Despot - er wollte Rat und hörte auf Rat und viele Unternehmungen, die sein Siegel trugen, beruhten auf der Arbeit seiner Freunde und Helfer, deren Arbeit er auch nach Verdienst belohnte und achtete. Er war auch kein Absolutist, sondern die wichtigsten Entscheidungen seiner Politik waren immer verbunden mit einer Suche nach dem Konsens seiner Bürger, deren Meinung er auch mit großem Aufwand einholte - so basieren die Konstitutionen auf einer jahrelangen Forschungs- und Feldarbeit. Er war lediglich der Ansicht, daß ein Mensch, der am Ende die Verantwortung übernehmen soll, auch in der Lage sein muß, den Umfang dieser Verantwortung durch eigene Entscheidungsbefugnis zu bestimmen. So ist er auch zum praktikablen Vorbild einer politische Verfahrensweise geworden, die sich nicht von Mehrheiten und nicht von Interessengruppen abhängig macht, wenn sie auch nicht die Illusion hegt, ohne ihre Mitwirkung auszukommen. (Ich stelle mir eben unseren Kanzler im trauten Verein mit "Persönlichkeiten der Wirtschaft" in der Rolle Friedrichs vor - ob er sie ausfüllen könnte?) Friedrich war auch kein Alleskönner - er hat Niederlagen hinnehmen müssen und Mißerfolg erlebt. Er hat sich nur nicht werfen lassen - auch und gerade nicht, wenn das Spiel auf Messers Schneide stand und das stand es öfter. - Um zum Zwecke eines okkulten Lexikons zurückzukehren - was bedeutet Friedrich hier? Zunächst einmal den Glauben an eine mythische Erscheinung, die ihre Rolle in der vornehmlich deutschen Intellektualität bereits gespielt hat, ich erinnere an Stimmen wie die von Stefan George, Friedrich Nietzsche, Gerhard Hauptmann und Philipp Melanchthon. Dabei fiel diese Rolle durchaus nicht einheitlich aus, auch wenn Bewunderung der Grundtenor ist. Dann eine Rolle, die Friedrich in der volkstümlichen Esoterik gespielt hat und noch spielt - die des gesellschaftlichen Befreiers ist noch die kleinste und so manchem selbstbewußten neuheidnischen Esoteriker würde ein Schauer den Rücken herunterlaufen, wenn er die Rückkehr Friedrichs in der Tat bestätigt fände - wüßte er doch, was die Glocke geschlagen hat. Aber zumindest dieses - daß seine Vorstellungen ab jetzt unkalkulierbar geworden sind und ihre Verwirklichung fraglich. Denn mit dem Topos Friedrich meldet sich eine andere Art von Denken und Geistigkeit zu Wort, nicht weniger zupackend als seine eigene, aber umfassender und durchdringender.
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Fundamentalismus - vielbeschriebenes und gesellschaftlich umstrittenes, aber durch die Zeiten immer wieder auftretendes gesellschaftliches Phänomen, dessen religiöse Facette nur eine Seite des Problems erfaßt. Das wesentliche Moment am Fundamentalismus ist weniger eine religiöse Bewegung als ein Suchen nach Orientierung in schwierigen gesellschaftlichen Situationen und damit verbunden die Hinwendung zu einfachen und griffigen Formeln für die Existenzbewältigung, sowie zur Wahrung einer eigenen Identität. Diese Suche nach einem "allgültigen" Lebensfundament hat dem Phänomen den Namen gegeben. Im Augenblick haben wir es evident im Bereich der islamischen und der christlichen Kultur, es kann aber auch in jeder anderen auftreten (zum Beispiel ist es auch virulent im Hinduismus und greift auch bereits nach dem tibetischen Buddhismus als Galionsfiguren der entsprechenden Gesellschaftsstrukturen) Der Fundamentalismus religiöser wie politischer Prägung ist die Gegenbewegung zur kulturellen Globalisierung wie sie seit einigen Jahrzehnten begonnen hat und fortschreitet. Indessen profitiert er auch selbst von dieser Globalisierung, indem diese seinem Bestreben die nötige öffentliche Beachtung verschafft, sowie auch die technischen Hilfsmittel. Tiefster Grund des Fundamentalismus ist eine Zukunftsangst, die nur aus einer schweren Lebensunsicherheit entstehen kann und entsteht. Man möchte diese Zukunft so haben wie die Vergangenheit war, denn die glaubt man zu kennen und ihrer also sicher zu sein. Man möchte sich inmitten einer veränderlichen Welt an Maßstäbe und Grundsätze klammern können, die einem das Weiterleben im Gewohnten garantieren. Diese Maßstäbe findet man meist in der Popularversion der großen Religionen, die man als gesetzgebende Institutionen auffassen will, obgleich sie das im Tiefsten nicht sind. Es ist indessen ein Gerücht, daß fundamentalistische Positionen lediglich eine Domäne intellektuell eher unterbelichteter Subjekte wären - diese werden vielmehr von ausgesprochenen Strategen des Fundamentalismus instrumentalisiert. - Im Gegensatz zum islamischen Fundamentalismus in dem sich Verunsicherung mit dem Bestreben verbindet, eine eigene islamische Identität zu entwickeln ist der christliche Fundamentalismus weniger spektakulär, aber nicht weniger wirksam, wie man am Voranschreiten der verschiedenen evangelikalen und biblizistischen Sekten und Kirchen in den USA verfolgen kann, aber auch in den verschiedenen ultrakonservativen katholischen Vereinigungen wie dem Opus Dei und dem Opus Angelorum, sowie im beinahe ungehinderten Wirken solcher Fundamentalisten wie den Bischöfen Ratzinger und Dyba in Deutschland und dem Kardinal Le Fevbre in Frankreich. Während aber kaum die Gefahr besteht, daß die christlichen Fundamentalismen einen verhängnisvollen Einfluß auf die christliche Lehre insgesamt nehmen könnten, besteht durchaus die Gefahr, daß der Islam unter dem Einfluß der Fundamentalisten nicht nur sein politisch - gesellschaftliches Renommee, sondern auch sein authentisches religiöses Profil verliert und zu einer Vereinigung für mehr oder weniger exotische Sitten und Gebräuche verkommt. Näheres im Projekt.
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