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Die aufgeführten Begriffe sind nicht immer vordergründig gnostische Spezialbegriffe. Desgleichen sind die angeführten Artikel nach Notwendigkeit erstellt, also nicht immer bewußt kurz gehalten. Stichworte, die an anderer Stelle ausführlich behandelt werden, sind durch und Fettdruck gekennzeichnet. Bei der Behandlung allgemeiner Themen haben wir uns nicht immer an die gängigen Versionen gehalten wenn dies nicht zweckdienlich erschien. Bei im Projekt näher ausgeführten Problemen finden Sie ebenfalls einen Hinweis darauf.



Lexikon


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Wichtige Begriffe



Kabbala - esoterische Richtung der jüdischen Mystik, die im Mittelalter unter dem Einfluß der christlichen Mystiker entstand. Ziel der Kabbala ist es, mittels Berechnungen und Symbolen, aber auch innerer Schau den vorgeblichen "Heilsplan Gottes" zu entdecken. Populärstes Mittel dieser inneren Schau wurde das als Gesellschaftsspiel entstandene Tarot, ein Kartenspiel aus Bild- und Zahlkarten, das heute nur noch ein Bildkartensystem ist. Die Kabbala auf Tarot zu konzentrieren geht allerdings fehl, ebenso geht es fehl, sie auf mystische Berechnungen zu beschränken. Vielmehr ist die Kabbala ein in sich geschlossenes kosmogonisches, kosmologisches, ethisches und apokalyptisch-eschatologisches System mit vielfachen Verzweigungen, die im einzelnen kennenzulernen intensives Studium erfordert. Interessant ist, daß der orthodox jüdische Hintergrund vor allem in den Kosmologien vielfach verlassen wird. Inwiefern die Kabbala auf das Werden der frühhumanistischen Philosophie eingewirkt hat, ist noch nicht im Letzten nachgewiesen, es ist aber abzusehen, daß hier Beziehungen bestehen. Der angebliche Okkultismus der Kabbala, die sie zum bevorzugten Objekt aller möglichen obskurantistischen Gesellschaften gemacht hat, ist allerdings ein verhängnisvoller Irrtum, der dieser Richtung immens geschadet hat, zumal sich viele Adepten des Okkultismus nach wie vor auf die Kabbala berufen möchten - darunter auch eine Reihe sich gnostisch nennender Vereine. Das ererbte Mißverständnis von Kabbala als "Zauberbuch", das auch im Judentum verbreitet ist, zu beseitigen ist aber nicht Gegenstand der Gnosis; hier mögen die Judaisten selbst für Aufklärung sorgen.


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Katharer - spätgnostische Gemeinschaft im mittelalterlichen Südfrankreich mit manichäisch - dualistischer Lehre, wahrscheinlich herstammend von den priscillianischen Zirkeln Nordwestspaniens, wie diese und die später für die Katharer maßgeblichen Bogomilen im wesentlichen manichäisch orientiert. Über ihre interne Lehre ist wenig bekannt, über ihre äußere Erscheinung etwas mehr. So waren die eigentlichen Katharer zur Einhaltung einer streng asketischen Lebensweise verpflichtet, für die es nur auf Reisen einige wenige Dispense gab und wohnten größtenteils in Konventen innerhalb von Städten, wo sie sich durch eigene Arbeit aber auch aus Spenden unterhielten. Ferner gab es einen nicht näher bezeichneten aber belegten Status eines Auszubildenden. Zahlenmäßig die größte Gruppe bildeten die sogenannten Gläubigen, unter ihnen auch viele Angehörige des provencalischen Adels, die eine Sympathisantenklientel stellten, von den Katharern seelsorglich betreut wurden, aber keinen Einblick in die Lehren derselben hatten. Formal blieben sie Katholiken und mußten keinerlei Regeln befolgen. Während die Zahl der eigentlichen Katharer klein blieb, durchzogen die Sympathisanten die gesamte Gesellschaft der Region, in der die gläubigen (nicht die getauften) Katholiken zur Minderheit wurden. In den sogenannten Albigenserkreuzzügen des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts wurden sie als Organisation aufgerieben. Die Reste flüchteten entweder nach Norditalien und von dort aus weiter nach Osten und Norden oder verblieben im Untergrund und tauchten im Verlauf der Reformation in Frankreich wieder als - kalvinistische - Protestanten auf. Dieses Erbe einer prinzipiellen Opposition zur katholischen Kirche war auch der Grund, warum sich der Protestantismus gerade in Südfrankreich im Vergleich zu den übrigen Landesteilen sehr rasch durchsetzte. Es gibt heute noch Familien in der Provence, deren Protestantismus bewußt katharische Traditionen fortsetzt.


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Kelten - westeuropäisches Kulturvolk, besiedelte das Gebiet des heutigen Frankreichs, aber auch Spaniens, Britanniens und Irlands. Die reiche und vielschichtige religiöse Welt der Kelten wurde zu einem der bevorzugten Themen der religiös - mystischen Richtung in der modernen Esoterik. Historisch und kulturell gibt es zwischen Gnosis und Kelten diverse Berührungspunkte, besonders in Nordspanien (Priscillianer), Südfrankreich (Katharer) und Britannien (Iroschotten) haben sich beide Bereiche des öfteren berührt und auch befruchtet, ohne daß allerdings eine oder die andere ihre Eigenart dadurch verloren hätte. Ideologisch blieben sie völlig eigenständig. - Die moderne Keltentümelei in diversen meist britisch - nationalistisch inspirierten Zirkeln hat mit der keltischen Religion und Kultur oft nur noch den Namen gemeinsam, desgleichen auch diverse moderne esoterische Rituale.


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Klemens von Alexandria - (gest. 216) bis 203 Lehrer an der Katechetenschule von Alexandria, die auf die Gründung des Judas Thomas zurückgeht und im zweiten Jahrhundert immer mehr verchristlichte. Von ihm stammt die Unterscheidung in "Glauben" und "Erkenntnis", die dann bei seinem Schüler Origines weitergeführt wird. Da in Alexandria bereits seit längerem platonisch gelehrt wurde, sind auf diesem Wege platonische Elemente in die christliche Religion eingegangen und haben dort ihren unentbehrlichen Platz gefunden. Sein Hauptwerk, die "Teppiche" sollten eine genuin christliche Gnosis begründen, und werden verschiedentlich der Gnosis direkt zugerechnet - sind aber wohl eher als Metaphysik eines philosophischen Christentums gedacht. Von der Machart her gehören sie zur mystischen Literatur.


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Kornkreise - beliebte esoterisch - spekulative Spielerei im Zusammenhang mit diversen UFO - Kulten. Entstanden wahrscheinlich aus der Idee englischer Landwirte, ihre Felder auch während der - unproduktiven - Ruhezeit zu gewinnabwerfenden Objekten zu machen und so den Unwägbarkeiten der jährlichen Kornpreisspekulation an den Börsen ein etwas verläßlicheres Einkommen entgegenzusetzen. Da sich der Plan dank eines gut entwickelten esoterischen Marktes erfüllte, entstand in der Folge eine regelrechte Kunst des Kornkreismachens, die immer bewußter esoterische Symbole aus der UFO - Szene aufnahm und weiterentwickelte. Inzwischen reicht die Region der "Kornkreise" bereits durch ganz Europa und Übersee. Die Bücher über Kornkreise sind derzeit als Kataloge dieser Performance - Kunst teilweise recht unterhaltsam zu betrachten. Die damit verbundenen intellektuellen Spekulationen sind freilich wenig ergiebig und wiederholen nur immer wieder die bereits sattsam bekannten populäresoterischen Platitüden von höheren Welten, rätselhaften Wesen und "betet fleißig und seid artig, ihr werdet bald erlöst" - Prophezeiungen.


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Kosmologie - Lehre von der Beschaffenheit der Welt, als solcher Bestandteil aller Religionen und Philosophien. Die religiösen Kosmologien sind allerdings nichts weiter als Interpretationsversuche auf dem Hintergrund der jeweiligen Kultur, die der Wirklichkeit sehr verschieden nahekommen, sie aber nirgendwo entsprechend abbilden. Wissenschaftliche Kosmologien sind Hypothesen, die dem Ziel dienen, die Struktur des Universums zu erschließen - einen Anspruch auf Allgemeingültigkeit erheben sie nicht, während religiöse Kosmologien eben dies tun. - Die Kosmologie der modernen Gnosis ist im Unterschied zur antiken kein Erklärungsversuch und schon gar kein topographisches Unternehmen. Eine vernetzte Vorstellung, in der verschiedene Strukturen in derselben Substanz wirksam sind, wird unseren kosmologischen Erfahrungen eher gerecht.


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Kosmos - in der alten Gnosis Begriff für das umfassende Sein, darin die Erde als "Materie" befindlich gedacht wurde. Kosmos und Materie wurden als unüberbrückbare Gegensätze gesehen. In der modernen Gnosis bezeichnet Kosmos analog zur wissenschaftlichen Definition das materielle Universum, das in Zeit und Raum als endlich und in seiner Substanz als besondere Struktur des Geistes gesehen wird, die innerhalb desselben unter besonderen Maßgaben existiert. Ein Gegensatz zwischen Geist und Materie existiert de facto nicht. Materie IST Geist. Verbindungsglied für diese Ansicht in der alten Gnosis ist das Thomasevangelium, dessen diesbezügliche Intentionen hier aber nicht weiter verfolgt worden sind.


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Kraftorte - Örtlichkeiten mit angeblich besonderen "magischen" Qualitäten. In der Tat gibt es Örtlichkeiten, an denen die menschliche Sensibilität mehr angesprochen wird als an anderen. Ursache dessen ist mit Sicherheit deren ästhetische Wirkung. Solche Plätze können, aber müssen nicht mit berühmten Bauwerken oder besonders reizvollen Landschaften zusammenstimmen, sondern auch hier gilt, daß die Schönheit "im Auge des Betrachters" liegt. Andererseits ist nicht jede imposante Architektur per se ein Katalysator für die spirituelle Aufnahmefähigkeit des Menschen. Bei Architekturen, anders als bei Landschaften, gehört schon ein spezielles Ambiente wie eine besondere (oder zumindest vorgeblich besondere) Geschichte oder der Verwendungszweck des Bauwerks dazu. Das Wissen um diese Umstände zusammen mit dem rein ästhetischen Erleben erzeugt assoziative Gefühle und Gedanken, die ungewohnt sind und ein gesteigertes Selbstgefühl schaffen, das bis zur Ekstase gehen kann. In der Ekstase kann es in ein Gefühl von "Aufgehen im Augenblick" münden und darin eine - zeitweise - Brücke zur Wahrnehmung eines anderen Zustandes bilden. Mit dem Wiedereintauchen in die gewohnte Umgebung verflüchtigen sich diese Stadien wieder und verwandeln sich in Erinnerung, die manchmal poetisch, manchmal aber auch esoterisch- mystisch ausgewertet wird. Die Rückkehr zu solchen Orten ist meist mit Desillusionierung verbunden, da infolge einer von vornherein gesteigerten Erwartungshaltung (man will es noch einmal erleben und man weiß schon, was man erleben will) Ernüchterung eintritt. Tourismus zu sogenannten "Kraftorten" ist daher mit Vorsicht zu genießen, obwohl das Moment, solche Erlebnisse zu vermarkten, durchaus typisch für diese Gesellschaftsstruktur ist, in der alles, aber auch alles Marktwert hat. Die Unternehmen, welche um die Unsicherheit der Wirkung wissen, verbrämen solche Reisen gewöhnlich auch mit allerlei esoterischer Ritualistik, was die Konturen eines ästhetischen Ergriffenseins von vornherein verwischt; das Stimulans wird bestenfalls noch zur Kulisse esoterisch aufgeputzten Entertainments. Wer den "Zwang zum Mitmachen" nicht ignorieren kann, der wird von solchen Örtlichkeiten keinen Gewinn haben. Da die wenigsten es können, weil die Wenigsten wissen, daß solcher "Budenzauber" nicht dazugehört, ist von organisierten Reisen zu irgendwelchen Kraftorten abzuraten. Man findet sie besser allein oder höchstens zu zweit und - was dem einen Mekka und Medina in einem ist, das muß es einem anderen noch lange nicht sein...


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Kreuzigung - zusammen mit der Auferstehung der zentrale christliche Mythos, wahrscheinlich entstanden aus einer Verlesung im Thomasevangelium und dieser nachlaufenden Recherchen, wobei die Spur zu den zahlreichen messianischen Kreuzigungen im Vorfeld des jüdischen Krieges (66 - 70) führte. Im Laufe der Zeit wurde diese Darstellung mit immer mehr Versatzstücken aus der griechischen und jüdischen Glaubenswelt ausgeschmückt, bei denen des darum geht, die Person Jesus jenseits ihrer historischen Bedeutung als Theios Aner - göttlicher Wundermann - erscheinen zu lassen. Im Bestreben mit dem Christentum zu einem Kompromiß zu gelangen, hat die spätere Gnosis differenzierte Vorstellungen zur Kreuzigung entwickelt, in deren Zentrum die Idee steht, Jesus habe diesen Tod nur scheinbar und mit einem sowieso scheinbaren Körper erlitten - der sogenannte Doketismus. Diese Variante wurde kirchlicherseits zwar verworfen, taucht aber in der Volksfrömmigkeit immer wieder auf. Eine andere Variante behauptet, Jesus habe die Kreuzigung überlebt oder an seiner Stelle sei jemand anders gekreuzigt worden. Die erste Variante hat in der Moderne eine Wiederbelebung erfahren (die Ahmadiya in Pakistan, Spanien und Großbritannien), aber auch künstlerische Gestaltung wie in Kazantzakis’ Roman "die letzte Versuchung" in der er spätgnostische und christliche Tradition zu versöhnen versucht, die zweite ist wesentlich für das Christusbild des Islam geworden, der wie die Gnostiker die Kreuzigung bestreitet, da Mohammed seine Informationen über das Christentum aus einer Gemeinschaft mit christlich - gnostischem (aber wahrscheinlich nicht mandäischem) Hintergrund bezogen hat. Nur wenige Gemeinden konnten eine strikte Ablehnung der Kreuzigung durchhalten wie sie der historischen Wahrheit entsprach, da sie dem in sich schlüssigen Roman keine gleichwertigen Fakten entgegenzusetzen hatten - es blieb unbekannt, was mit dem historischen Jesus geschehen war. Die Ablehnung eines "Todes am Kreuz" aber blieb allen Gnostikern gemeinsam, gleichgültig, welche konkrete Variante der Lehre sie vertraten. In der modernen Gnosis ist diese Ablehnung ebenfalls präsent, weil die von den Evangelien genannten Begleitumstände und die Lebensdaten des historischen Jesus nicht zusammenstimmen.

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