spacer
Die aufgeführten Begriffe sind nicht immer vordergründig gnostische Spezialbegriffe. Desgleichen sind die angeführten Artikel nach Notwendigkeit erstellt, also nicht immer bewußt kurz gehalten. Stichworte, die an anderer Stelle ausführlich behandelt werden, sind durch und Fettdruck gekennzeichnet. Bei der Behandlung allgemeiner Themen haben wir uns nicht immer an die gängigen Versionen gehalten wenn dies nicht zweckdienlich erschien. Bei im Projekt näher ausgeführten Problemen finden Sie ebenfalls einen Hinweis darauf.



Lexikon


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Wichtige Begriffe




Magie - eine in der antiken Welt (und noch heute weltweit) verbreitete Form religiöser Betätigung, die im Gegensatz zu den großen Religionen auf unmittelbare und aktive Beteiligung des Gläubigen abstellt. Durch ihre Betonung der aktiven Rolle des Gläubigen geriet auch die antike Gnosis immer wieder in den Bannkreis der Magie. - Grundüberzeugung aller Magie ist es, daß der Gläubige selbst durch geeignete Verrichtungen oder Mittelspersonen in die universalen Prozesse eingreifen und sie nach seinen Wünschen gestalten kann. Je widersprüchlicher eine konkrete Situation ist, um so mehr geht das Interesse des Menschen dahin, ihr mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln die Widerspruchslosigkeit zurückzugeben. Dabei spielt die Erwägung, inwieweit diese Widersprüchlichkeit auch auf das eigene Verhalten zurückzuführen ist, nur eine untergeordnete Rolle. Magie ist an und für sich niemals objektiv und so auch weder analytisch noch gar selbstanalytisch, sondern rein voluntaristisch. Allerdings auch aus diesem Grunde nicht objektiv wirksam, wie der hohe Prozentsatz fehlgegangener Versuche erweist, die eigene Ansicht von Harmonie gegen die Ansichten und Interessen Anderer durchzusetzen. Da die alte Gnosis insgemein davon überzeugt war - zumindest in ihrer späten Ausprägung - daß dem "Gläubigen" Kräfte zukämen, die ein "Ungläubiger"nicht besitzen kann, da der keine Chance hatte, sie sakramental zu empfangen, hat sie ein unbefangenes Interesse an jeder Art von Magie um so mehr gehabt, als sie ihre eigentlichen Grundlagen verloren hatte. Von ihren Grundlagen her ist Gnosis aber denkbar das Nichtmagischste, was man sich vorstellen kann, indem sie den wirkenden Kräften nämlich die Erkenntnis des Wirkenden über diese Kräfte beigesellt. Damit wird, was sonst Magie und Ritus wäre, zum in Ursache und Wirkung verfolgbaren und darstellbaren Prozeß und von allem Okkultismus entkleidet. Es ist sicher Ungeheures möglich - aber diese Ungeheure wird geheuer. Daß diese Prozesse im Einzelnen dennoch ungeheuer komplex sein können, ist eine andere Frage.


nach oben

Magus - Magier , - beliebtes Spiel der christlichen Ketzerbestreiter, wenn es darum ging, insbesondere gnostische Lehrer von Bedeutung zu diffamieren. Der Hergang ist denkbar einfach - mittels einer Buchstabenvertauschung wird aus Megas - groß, Magos - der Magier. Greifbar ist diese Technik nachgewiesenermaßen bei Simon, dem späteren Petrus des Christentums und bei Judas Thomas. Die christliche Legendenbildung um den sagenhaften Simon der Apostelgeschichte ist also ein bloßes Versteckspiel.


nach oben

Mandäer- kleine Gemeinschaft im südlichen Irak, werden von der Religionswissenschaft als "letzte Gnostiker" bezeichnet. In der Tat lassen sich Topoi der antiken Gnosis in ihrem Lehrgebäude nachweisen, das im übrigen eigenständig ist. Als Christen lassen sich die Mandäer allerdings beim besten Willen nicht klassifizieren, obwohl sie mit der Zeit viele christliche Vorstellungen verinnerlicht haben - so unter anderem eine intensive Marienverehrung, den Begriff der Sünde, die Betonung des Ritus im religiösen und auch öffentlichen Leben. Ihre (antik - gnostisch inspirierten) Glaubenslehren und Mythen sind niedergelegt im sogenannten Rechten Ginza, während der sogenannte Linke Ginza die Ritualvorschriften und liturgischen Formulare für das ausgeprägte Kultwesen der Mandäer enthält. Da sie eindeutig Religionsgemeinschaft sind, haben sie für die moderne Gnosis nur mehr die Bedeutung einer Arabeske. Zudem ist absehbar, daß sie vom herrschenden Islam mehr und mehr verdrängt werden. Ob es mandäische Emissäre waren, die Mohammed mit dem Christentum bekannt machten, ist nicht erwiesen und auch kaum anzunehmen, da sie keine Fernmssion trieben und sich deren Gut nicht einmal annäherungsweise in Mohammeds Predigten wiederfindet - will man nicht den dunkel - prophetischen Ton der ersten Mekkaner Offenbarungen als einen Gleichklang mit der ebenfalls betont geheimnisvoll akzentuierten orientalisch prunkvollen mandäischen Lehre sehen. Seine Gewährsleute waren wohl eher äthiopisch - koptische Christen.


nach oben

Mani - der "böse Gott" der persischen (zoroastrischen)Religion, Gegenspieler des "guten" Ahura Mazda/Ormazd. Durch das Religionssystem des Mani wurde das Modell in die antike Gnosis eingeführt und übernahm dort die Rolle des Demiurgen. Der Zoroastrismus ist unter der Bezeichnung Parsismus eine gegenwärtig in Indien und Pakistan, aber auch im Iran selbst existente Religion.


nach oben

Markion - häretischer Christ aus Sinope am Bosporus, lebte in der ersten Hälfte des zweiten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung und verfaßte die erste Sammlung christlicher Schriften für seine eigene Gemeinde, die sich von Rom aus rasch über das gesamte Gebiet des römischen Reiches ausbreitete und noch mehrere Jahrhunderte nach seinem Tod bestand. In Rom kam er mit dem Gnosislehrer Valentinus zusammen, der zu dieser Zeit an der Schule der Marcia lernte und lehrte; Valentinus verfaßte für Markion einige liturgische Texte (Hymnen, also Kirchenlieder) - Zeichen auch dafür, wie das Christliche sich schon zu dieser Zeit in Valentins Denken eingesenkt hatte. Im Umkehrreffekt enthält das markionitische Christentum einige gnostische Anleihen, so die Demiurgentheorie, leugnet aber, im Gegensatz zur Gnosis weder die Kreuzigung noch die legendarische Jesusgestalt des Lukas, dessen Evangelium Markion zum Zentrum seiner Sammlung wählte. Ob es derselbe Lukastext war, den wir heute noch kennen, ist freilich nicht zu sagen. Näheres im Projekt.


nach oben

Markos - unter den Gnostikern der Antike aufgeführter pythagoreisch intendierter Zahlenmystiker, wahrscheinlich im Umkreis des Valentinus tätig.


nach oben

Materie - nach dem gegenwärtigen allgemeinen Wissen der Menschheit die Grundlage dieses Universums. Die physikalische Struktur der Materie ist zumindest in den Umrissen bekannt und als existent nachgewiesen, in Details gehen die Auffassungen allerdings auseinander und herrscht auch noch teilweise Unkenntnis. - In der antiken Gnosis stand der Materiebegriff für alles Unvollkommene, was dazu führte, daß Materie als minderwertiger Zustand interpretiert wurde. Wir können diese Interpretation heute getrost als historisch erledigt ablegen, schon aus dem Grund, daß die Erkenntnisse der Antike über die Materie um vieles hinter unseren heutigen zurückbleiben. - In der modernen Gnosis haftet dem Materiebegriff nichts Deklassierendes an, sondern in allem, was ihn betrifft, geht sie konform mit den Erkenntnissen der Wissenschaft. Was ihre Stellung in der Kosmologie betrifft, so ist Materie in der modernen Gnosis allerdings nur eine Form organisierten Daseins und in keiner Weise von andren Formen isoliert, sondern mit allen anderen korrespondierend und verbunden durch die Generaldimension Geist.


nach oben

Meditation - Konzentrationstechnik, die dem Menschen hilft, sich zu sensibilisieren und anderen Seinszuständen zu öffnen. Der Gebrauch des Wortes Meditation als Bezeichnung einer frommen Betrachtung (eines Bibelverses zum Beispiel oder eines anderen Textes) ist irreführend. So beginnt Meditation auch meistens mit ganz einfachen Konzentrationsübungen, deren Radius nach und nach erweitert wird. Da die meisten Menschen spirituell total verspannt sind, sind oft lange Vorbereitungszeiten nötig, ehe sie "umschalten" können. Wenn die geistige "Muskulatur" aber entsprechend gelockert ist, macht jeder Meditierende staunenswerte Entdeckungen, die alle Mühe lohnen. Es ist schon von Belang, sozusagen auf Knopfdruck die Seinszustände nicht nur wechseln zu können, sondern auch in allen und manchmal sogar in allen zugleich aktiv zu sein. Wir wenden meditative Praktiken ganz selbstverständlich an, legen das Augenmerk dabei aber besonders auf die Fähigkeit zur Aktivität. Wir versetzen uns in andere Zustände und handeln in ihnen entsprechend den Erfordernissen und Befugnissen, die wir haben und vorfinden. Das bedeutet nicht, daß wir aus dem materiellen Seinszustand "aussteigen", sondern wir laufen in solchen Aktionen eher "zweigleisig", verlieren den Kontakt zu unserem konkreten Umfeld keineswegs, gelegentliche sehr kurze Absenzen vielleicht abgerechnet. Allerdings sind die Akzente verschoben und so kann ein grober Einbruch der hiesigen Realität in Form einer schrillenden Türglocke, eines kreischenden Telefons oder eines plötzlich mit einer dringenden Angelegenheit heftig hereinschneienden Mitmenschen schon einen mitunter alles andere als gelinden Schock auslösen. Andererseits machen sich Ereignisse der anderen Realität auch durchaus in sehr eindringlichen sinnlichen Reizen bemerkbar, wie ich selbst erleben konnte. Man spürt zum Beispiel den Zug, mit dem sich ein Wesen an uns klammert sehr deutlich als Ziehen im Arm und man hat in der Tat für einen Moment "ein Brett vorm Kopf" wenn es ans Verlassen aller gewohnten Orientierungen geht. Die Ergebnisse dieser Aktionen widerlegen dann allerdings den Verdacht, man habe sich nur selbst etwas suggeriert. Denn was man getan hat und wovon man weiß, kommt als Wirkung zurück - manchmal aus ganz unerwarteten Ecken. Nichtsdestoweniger tut man gut daran, die Frage "Autosuggestion oder nicht" immer wieder so schonungslos zu prüfen wie man kann. Man erspart sich Enttäuschungen. Mit der Zeit entwickelt man dann schon ein Gespür für die Frage, ob man sich jetzt selbst eins übers Ohr gehauen hat oder nicht.


nach oben

Mensch - auf der Erde entwickelte intelligente Lebensform. An der durch die Forschung erwiesenen Abstammung des Menschen von anderen Lebensformen besteht kein Zweifel, besteht auch keine Notwendigkeit für einen solchen. Da der Mensch die notwendigen Voraussetzungen erworben hat, um zu Selbsterkenntnis zu gelangen, verfügt er auch über die notwendigen Mittel und gebraucht sie in zunehmendem Maße. Das bedeutet nicht, daß er das einzige Wesen im Universum sein müsse, das sie gebraucht, aber diese Einsicht hat nicht unbedingt Priorität, sondern Priorität hat die Tatsache, daß ER es vermag. Diese Voraussetzung bedingt aber, daß es eine wesentlichen Unterschied gibt zwischen seiner und der Lebensweise der Strukturen, denen er entstammt. Dieser Unterschied drückt sich in seinem gesamten Verhalten aus, ebenso wie seine Bindung an die für Lebensformen allgemein zum Existieren auf der Erde erforderlichen Prozeduren. In seinem Verhalten werden einige dieser Prozeduren allerdings verändert, so die Sexualität zur Liebe, der Herdentrieb zur Sozialität und die Rudelstruktur zur Verantwortlichkeit, aber auch der Jagdtrieb ist zu Aggressivität und Konkurrenzneid geworden. Ziel des Menschen ist es nun, diese ererbten Verhaltensweisen in eine Form zu bringen, die seiner zweiten und eigentlichen Natur entsprechen: der eines unsterblichen, seiner selbst und seiner Umwelt bewußten, verantwortlich handelnden und denkenden Wesens. In seinem momentanen Zustand ist er meist der Grenzgänger, der noch nicht entschieden hat, welcher seiner Möglichkeiten er zuneigen soll, und der sich ebenso zu seinem genealogischen Ursprung wie zu seinem spirituellen zurücksehnt. Aber weder der eine noch der andere sind sein Ziel, sondern etwas Neues, das zwar aus beidem kommt, so aber noch niemals zuvor gewesen ist. Seine Unsicherheit versucht er in diversen Religionen und Denkmethoden zu fassen, die von daher allesamt nur als Provisorien betrachtet werden können. Als solche sind sie aber wichtig und sollten nicht diffamiert, wohl aber kritisch betrachtet werden. Mit seiner Janusköpfigkeit wird er noch geraume Zeit leben müssen - seine Entwicklung dokumentiert aber bereits jetzt, daß der Weg nicht zur Tierwelt zurück führt. - Die antike Gnosis sah im Menschen das "geworfene" Geschöpf. Die Entwicklung der letzten zweitausend Jahre hat aber gezeigt, daß der Mensch in seiner kollektiven Existenz durchaus zielgerichtet vorgeht, wenn auch von unterschiedlichen kulturellen Voraussetzungen. Wenn die antike Gnosis den Menschen als das Ergebnis einer kosmischen Katastrophe sieht, so sieht sie ebenfalls zu kurz, denn die Voraussetzungen für intelligentes Leben sind Bestandteil eines sinnvollen Prozesses, dessen Sinnfälligkeit sich im Erkennen erweist. Außer gelegentlichen Versuchen des Menschen, seine Existenz aufs Spiel zu setzen ist bei diesem Prozeß nichts "schiefgegangen". Diese Versuche haben ihre Wurzel in nichts anderem als den auf eine gemessene Weile noch sehr unvollkommenen Wissen des Menschen über seinen Sinn und Zweck. Dazu gehören auch alle Irrtümer über denselben. Die antike Gnosis sah dieses Faktum auch, beschränkte sich aber darauf, es fatalistisch hinzunehmen und auf die verschiedenen "Sotere" zu vertrauen, die den Einzelnen jeweils zur Erkenntnis "rufen" würden. Ergebnis dieser Denkweise war eine Herabsetzung des Menschlichen, die den Grund seiner Existenz völlig verkennt. Diese "Lehrer" der Menschheit hat es zweifellos gegeben und es wird sie auch weiterhin geben, aber ihr Einfluß auf die Entwicklung wird zumeist völlig überschätzt. Keineswegs führen sie die Menschen massenhaft zum "Heil", sondern ihre Aufgabe besteht lediglich darin, Alternativen zu zeigen, an die man sich halten kann (so man es kann), aber nicht muß. Der Prozeß der Bewußtwerdung wird dadurch nicht verhindert, daß man die Einrede eines Lehrers ablehnt. Ein spirituelles "Verlorensein" eines Menschen gibt es nicht und schon gar nicht ist es abhängig vom Hören oder Nichthören eines Lehrers. Sondern jeder Mensch handelt und denkt im Gesamtprozeß eben so, wie er es von seinen kulturellen und individuellen Voraussetzungen her kann. Das bedeutet, daß auch alle sozialen Unterschiede nicht relevant sind, sofern es um die existentielle Seite des Menschseins geht, von geschlechtlichen und rassischen zu schweigen. Da sie aber nicht relevant sind, können sie unter der Maßgabe bestehen, daß sie nicht zur Ursache von Leiden werden, das wir einander zufügen. Im Moment, in dem das geschieht, werden sie jedoch relevant und bedürfen der Aufmerksamkeit und der Regulierung durch diejenigen, die den Unsinn solchen Handelns und Denkens erkannt haben. - Die moderne Gnosis hat also ein wesentlich positives Menschenbild. Weder werden die Unzulänglichkeiten des Menschen dabei verleugnet, noch wird er um derentwillen in irgendeiner Weise geringgeschätzt. Seine Existenz ist ohne Einschränkung sinnvoll und ohne Vorbedingungen und sein Weg ist ein zweckmäßiger, gleich durch welche labyrinthischen Windungen er verläuft. Es ist zwar gut, ihn durch Hinweise hier und da anzuleiten und auch zu reglementieren, doch ist es im höchsten Grade verwerflich, ihm einen Weg als den einzig möglichen vorzuschreiben und ihn nach äußerlichen Unterschieden zu klassifizieren oder gar zu diskriminieren.


nach oben

Messias, messianisch - nicht ins Spektrum der Gnosis gehöriger Topos aus der jüdischen Volksfrömmigkeit. Die Idee vom Messias entstand unter dem Eindruck der Bedrückung Israels durch die antiken Großmächte. Eingang in die Thora fand er, wie auch die Figur des ®Satans, bei deren schriftlicher Niederlegung und damit verbundener weitgehender Neugestaltung nach dem babylonischen und persischen Exil. Es handelt sich bei der Messiasvorstellung um die Idee von einem gottgesandten (nicht göttlichen) politischen Erlöser, der die Auserwähltheit Israels für immer garantieren sollte. - Durch die Lokalisation des Christusmythos im Umfeld der jüdischen Geschichte geriet auch die Messiasideologie ins Blickfeld. Da die politische Messiasidee nicht verwirklicht werden konnte (Jerusalem war inzwischen gefallen), wurde die Geschichte im Hinblick auf eine sonst eher als abseitig bewertete Messiasvariante geschrieben, die von dem "Propheten" Jesaia stammte und sich an der jüdischen Sitte orientierte, jedes Jahr einen Bock, symbolisch beladen mit den Sünden des ganzen Volkes in die Wüste zu schicken, wo er stellvertretend für das Volk Israel umkommen sollte. Von dieser Variante übernahmen die christianisierenden Gnostiker die Figur des "Soter" als kosmischem Erlöser und von diesem wiederum die Christen ihren Gott Christus, der das im ursprünglichen Text ihres Glaubens nicht gewesen ist. Bis ins fünfte Jahrhundert hat die Frage der Göttlichkeit Christi immer wieder Streit ausgelöst, entschieden wurde sie endgültig 431 auf dem Konzil von Ephesus (dem sogenannten Marienkonzil). Der Unterschied zwischen gnostischem Soter und christlichen Messias ist die Frage der Stellvertretung, die in der gnostischen Frömmigkeit (von einer solchen muß man zu dieser Zeit sprechen) überhaupt keine Rolle spielt, während sie im christlichen Verständnis absolut zentral ist. Erlösung auf spätgnostisch, das ist die Folge auf den "Ruf" des Soter hin, dem jeder ganz persönlich folgen muß und nach diesem Verständnis auch kann, da er selbst eine göttliche Natur besitzt. Im christlichen Verständnis ist so etwas völlig unmöglich, da der Mensch ein Synonym für spirituelle Unfähigkeit ist und für das Heil seiner Seele gar nicht selbst Sorge tragen kann. Für den historischen Jesus sind beide Varianten irrelevant, da seine Lehre von seiner Person und deren Beschaffenheit völlig unabhängig ist.


nach oben

Miriam - Schwester des Judas Thomas, Schülerin und laut gnostischer Tradition "Paargenossin" also Lebensgefährtin Jeschuas. Bis mehrere hundert Jahre nach Jeschua namhaft gemachte Lehrerin der Gnosis, auf Grund ihrer Popularität Hintergrundfigur für den Namen der "Gottesmutter", einer ansonsten mythologischen Konstruktion. Näheres im Projekt.


nach oben

Mohammed - Stifter des Islam, geboren um 570 in Mekka, gestorben im Jahre 632 in Medina (Jahtrib). Im Jahre 622 verließ er seine Heimatstadt, wo man seinen Anspruch, Verkünder einer neuen Offenbarungsreligion zu sein nicht anerkannte, mit wenigen Gefährten und errichte in Medina ein eigenes theokratisches Staatswesen. 630 gelang es ihm, auch Mekka für den Islam zu erobern. Das ursprünglich heidnische mekkanische Hauptheiligtum, die Kaaba, widmete er als Zentralheiligtum des Islam um. Die arabische Gesellschaft sowohl städtischen als auch ländlichen Charakters wurde durch Mohammed entscheidend geformt und bis in unsere Zeit hinein beziehen die islamischen Völker von den Intentionen Mohammeds ihre kulturelle Identität. Dabei ging Mohammed nicht radikal vor, sondern von den kulturellen Gewohnheiten seiner Zeitgenossen aus, die er nur in feste Regeln goß - diesen Regelungen verlieh er Autorität, indem er sie als göttliche Offenbarungen ausgab - was sie in den allermeisten Fällen nicht waren. Dem Muslim gelten sie aber bis heute dafür, was für die Modernisierung der arabischen Kultur ungeahnte Schwierigkeiten und Probleme schafft, muß sich doch jede Neuerung zunächst dem Vorwurf aussetzen, Gottlosigkeit zu sein. Eine unbefangene, gar textkritische Auseinandersetzung mit dem Koran als solchem ist bis heute für den Islam ein unmögliches Unterfangen. - Dabei geht der Koran als solcher nicht auf Mohammed selbst zurück, sondern ist erst nach seinem Tode aus verschiedenen teils schriftlich festgehaltenen teils mündlich überlieferten Quellen zusammengestellt worden. Eine kritische Beschäftigung mit ihm nach dem protestantischen Muster des "ist" und "enthält" wäre also prinzipiell ohne Verdacht der Blasphemie möglich. Vor und neben der ersten Begegnung mit seinem Gott kam Mohammed mit den verschiedensten Religionen und Geisteshaltungen in Berührung und nahm die verschiedensten Anregungen auf, die er in seinen Koranpredigten dann ausgestaltete. Besonders stark waren dabei jüdische und - gnostische Einflüsse. Das Christentum, dem Mohammed begegnete gehörte sichtlich zu jenen Kongregationen, die einer verchristlichte Gnosis angehangen hatten. Mit den Nachkommen der einst ins Exil Geflohenen kam Mohammed zusammen. Wichtigstes Indiz hierfür ist die heftige Bestreitung der Kreuzigung an mehreren Stellen des Koran. Es gibt aber auch mehrfache Bezüge zwischen Koran und Thomasevangelium. Das beginnt bereits in den frühsten (im Koran letzten) mekkanischen Suren sowie in der Offenbarungsgeschichte selbst. Allerdings sind diese Bezüge nur in der Originalfassung zu erkennen. Mohammed war in den polytheistischen Vorstellungen seiner Kultur aufgewachsen und die Tatsache der Offenbarungsvision als solche ist insofern glaubwürdig, daß die Erschütterung, ja Angst Mohammeds verrückt geworden zu sein alles andere als unwahrscheinlich anmutet; die islamische Überlieferung hat auch Wert darauf gelegt, die Verwirrung der Gefühle, in die Mohammed durch die erste Offenbarung geriet, niemals zu verschweigen. - Der Koran und die Hadithen bieten ein Bild vom Leben und von der Persönlichkeit Mohammeds, in dem er sehr menschlich und eher bescheiden und schüchtern als herrscherlich und guruhaft erscheint - eine im Ganzen sympathische Gestalt, die für viele gegenwärtige Führer des Islam ein Beispiel gibt, dem sie leider nicht nachfolgen. Dabei war Mohammed ein Politiker von Rang und stellte weder hier noch als Heerführer und Richter sein Licht unter den Scheffel. Dabei scheute er sich, wie gesagt, auch nicht vor unpopulären Entscheidungen, die er gegebenenfalls mit der Autorität seines Gottes abzudecken wußte, worin er keine Bedenken kannte. Die Organisation der neuen Gesellschaft ging für ihn den verschiedenen Stammesvorstellungen entschieden vor, als er eine staatlich organisierte Wohlfahrt einführte, die Polygamie einschränkte und den Frauen ein Erbrecht, sowie Besitzrechte verbürgte, dies zusammen mit ihrer Gleichstellung in allen Fragen der Religion. Auch wenn diese Bestimmungen heute nicht mehr zureichen - zu ihrer Zeit waren sie revolutionär und ohne den Hintergrund einer göttlichen Autorität gar nicht durchführbar. Die frauenfeindliche Haltung des Islam geht nicht auf Mohammed zurück, sondern auf dessen Adjutanten und Nachfolger Omar. Mohammed verlangte auch nicht die Verschleierung der Frau, sondern lediglich, daß sich die Frauen in Gegenwart Fremder etwas anziehen sollten - eine Verordnung, die Sinn erhält, wenn man bedenkt, daß im heißen Klima Arabiens mit Kleidung durchaus gespart wurde. Desgleichen betrifft die Forderung nach einem zurückgezogenen Leben nur die Frauen des Propheten selbst, nicht aber die gesamte islamische Weiblichkeit. Man kann in diesen Fragen also durchaus streitbar sein ohne den Islam als solchen anzugreifen. - Für uns ist Mohammed der Beweis dafür, daß glühende Frömmigkeit, ja das Einrichten einer neuen Religion und Gesellschaft keineswegs in Fundamentalismus und Fanatismus führen müssen und daß Sendungsbewußtsein einem mitmenschlich - weltzugewandten Leben nicht widersprechen muß. Es ist aber auch im Vergleich der Erscheinung Mohammed mit den gegenwärtigen Führern des Islam der Beweis dafür, daß das kulturelle und geistige Fundament des Islam gerade von jenen verlassen worden ist, die sich prononciert als Sachwalter eben dieses Islam aufspielen.


nach oben

Monotheismus - das jüngste der großen Religionskonzepte und heute das weltweit bedeutendste ohne neben Naturreligionen, Polytheismus (Hinduismus, Shinto) und Henotheismus (Buddhismus) das einzig anerkannte zu sein. Im Gegensatz zu den mit der menschlichen Geschichte gewachsenen anderen Modellen ist der Monotheismus ein Kunstprodukt mit ursprünglichem Minderheitscharakter. Er geht davon aus, daß alle Erscheinungen einem einzigen Gott zugehören, neben dem es keine anderen gibt - weder diesem unter- noch nebengeordnete Götter. Entstanden ist dieses Konzept auf dem Hintergrund der Nomadenkultur in den arabischen Wüstensteppen und trägt dem Problem Rechnung, daß die Errichtung eines weitgefächerten Kultes für die kargen Lebensumstände von Nomaden kaum zu gestalten war. So gestattete man sich nur eine einzige - unsichtbare - Projektion; indessen war diese Projektion nicht gestaltlos, wie angenommen wird, sondern als Gestalt des Gottes galt die Gestalt des Menschen als solche. Sie wurde auch nicht abstrakt, sondern durchaus personal verstanden. - Da der Monotheismus sich inmitten einer wesentlich anders akzentuierten Kultur entwickelte, hatte er auch beinahe vom ersten Moment an mit Widrigkeiten zu kämpfen. - Es zeigte sich, daß ein strenger Monotheismus nur in allerengstem Kreise wirklich durchzuhalten war und so sind die großen monotheistischen Systeme Judentum und Islam auch eigentlich keine rein monotheistischen mehr. In der jüdischen Religion ist das Gottesbild gespalten in den Elohim und die Schechina sowie in den (künftig verheißenen, aber präexistenten) Messias als Vollender der Universalherrschaft Jahves auf Erden. Im Islam haben verschiedene "Mahdis" die Stelle des Messias eingenommen, was unter Umständen, so in einigen Richtungen der Schia zur Vergöttlichung desselben geführt hat. Dem Monotheismus eigen ist ein starker Trieb zur Mission, der einhergeht mit einer äußerst rigiden Dogmatik zum Zwecke der Abgrenzung von anderen Konzepten. Dem liegt die Überzeugung zugrunde, erstens die einzig wahre Lehre zu besitzen, die man zweitens gegen eine prinzipiell feindliche Umwelt zu verteidigen habe.


nach oben

Morphogenetische Felder - Theorie des britischen Physikers Rupert Sheldrake, betreffend die kollektive Entwicklung der menschlichen Rasse. Sheldrake nimmt an, daß die menschlichen Befindlichkeiten in eine Art elektromagnetischer Felder eingehen und dort gespeichert und zum allgemeinen Zugriff aufbereitet werden. Lokalisiert werden diese Felder irgendwo innerhalb der materiellen Struktur (nicht topographisch zu verstehen, sondern substantiell). Das bedeutet, daß jede komplexe Struktur innerhalb der Materie durch ihre bloße Existenz auch an diesem Ereignis teilhat. Die Idee ist abenteuerlich und bisher nur durch Empirie und Kompilation gestützt, hat aber Einiges für sich und ist im Kontext der Erforschung unserer grundlegenden Lebensbedingungen nicht unbedeutend. Bedauerlich ist nur, daß Sheldrake seine Entdeckung offensichtlich als definiert ansieht, vertritt und nicht grundsätzlich, sondern nur noch in Einzelheiten weiterforscht. Gemeinsam mit der konventionellen Teilchenphysik könnte diese Theorie zu interessanten Aufschlüssen über die Natur der Materie führen.


nach oben

Mystik - der Gnosis in Vielem nahestehende, sie aber nicht erreichende religiöse Lehre von der Annäherung an Gott, wie ihn die Religionen verstehen. Da jede Mystik "ihren" Gott finden will, findet auch jede einen anderen. Was in Wahrheit stattfindet, ist eine Art des Einswerdens mit dem eigenen Wesen, dessen Spezifik aber so nicht erkannt wird. Der Gläubige ist der Ansicht, es handele sich um Gott. Die exaltierten Gefühle, die diese Unio mystica begleiten, legen diesen Schluß nahe - die Empfindungen bei der Wiedergeburt sind Erschüttern und Staunen, aber in einer weitaus nüchterneren Form. Auch das "Gott in mir" des Mystikers legt diesen Schluß nahe. Für einen Gläubigen, der von den Möglichkeiten und Erkenntnissen der Gnosis nichts weiß, kann die Begegnung mit dem Selbst schon ein außerordentliches seelisches Erlebnis sein. Während der Gnostiker von hier aus aber weitergeht oder es zumindest kann wenn er will, bleibt der Mystiker, der keine entsprechenden Informationen über das wirkliche Geschehen hat, bei dieser Stufe stehen. Exaltation, die er festzuhalten sucht, wird ihm zum Lebensinhalt. Dieses Festhalten ist der Sache nicht gemäß und so gestaltet sich sein weiteres Seelenleben recht mühsam und wie viele Mystiker bestätigen als ein Auf und Ab aus Exaltation und Leiden.

nach oben