spacer
Die aufgeführten Begriffe sind nicht immer vordergründig gnostische Spezialbegriffe. Desgleichen sind die angeführten Artikel nach Notwendigkeit erstellt, also nicht immer bewußt kurz gehalten. Stichworte, die an anderer Stelle ausführlich behandelt werden, sind durch und Fettdruck gekennzeichnet. Bei der Behandlung allgemeiner Themen haben wir uns nicht immer an die gängigen Versionen gehalten wenn dies nicht zweckdienlich erschien. Bei im Projekt näher ausgeführten Problemen finden Sie ebenfalls einen Hinweis darauf.



Lexikon


A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z

Wichtige Begriffe




Parallelwelt - (hypothetische) Möglichkeit der Existenz anders dimensionierter Lebensräume. Für einige Gemeinschaften sind Parallelwelten feste Glaubensinhalte. Dieser Glauben ist an und für sich sehr alt, er reicht bis in die steinzeitlichen Höhlenkulte zurück, in denen die Menschen durch Schamanen Kontakt mit dieser aufzunehmen suchten. Dem dienten auch die berühmten Höhlenmalereien. In den heute üblichen Religionsformen sind Parallelwelten noch im indischen Denken rudimentär vorhanden, spielen aber keine beherrschende Rolle mehr. Der Glaube an Parallelwelten hängt (auch) zusammen mit dem Imaginationsvermögen des Menschen, eher aber wohl mit der Erfahrung des Traumes. Ob und in welcher Weise dieser Hypothese objektive Wirklichkeit zukommt, wird heute noch nicht zu entscheiden sein, daher kann man auch die Möglichkeit einer solchen noch nicht von vornherein ausschließen.


nach oben

Parusie - kirchlicher Terminus für die theologische Doktrin von der baldigen Wiederkunft Christi als unumschränkter Herrscher und Richter der Menschheit. Die frühe Christenheit erwartete diese Wiederkunft in den ersten hundertfünfzig Jahren nach ihrem Entstehen. Als sie ausblieb und auch nachgestellte Endtermine sich nicht erfüllten, brach eine existentielle Katastrophe über die Christen herein, die zu den schlimmsten gehörte, die das Christentum jemals erlebt - und überstanden hat. Das Nichteintreffen der Parusie bedingte eine komplette Umstellung der innerreligiösen Strukturen dieser neuen Religion; es entstand, was wir als die frühe Kirche kennen mit den entsprechenden literarischen Unterlagen, nämlich Kirchenordnungen und einem eigenen Zivilkodex. Die Doktrin von der Parusie wurde verändert in die Doktrin von der endlichen Welterlösung, der Eschatologie, deren Zeitpunkt ungewiß sei, deren Geschehen aber gewiß.


nach oben

Paulikianer - gnostische Gemeinden in Rückzugsgebieten Kleinasiens, von deren Lehren leider Genaueres nicht bekannt ist. Hingegen ist sicher, daß sie einige Zeit in den Höhlenstädten an der Küste Anatoliens gelebt und diese bedeutend ausgebaut haben. Wahrscheinlich haben sie aber das georgische und auch das armenische Christentum nachhaltig beeinflußt ehe sie selbst untergingen. So sind einige armenische Kirchennamen eindeutig häretischen Ursprungs und auch der Umgang der georgischen Swanetier mit dieser Religion läßt sich kaum allein aus orthodoxen Wurzeln erklären.


nach oben

Paulus – historisch sind unter diesem Namen im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung zwei Gestalten überliefert: einmal der römische Gouverneur (Prokurator) von Zypern, Sergius Paulus, ein enger Freund des Judas Thomas, dann ein jüdischer Talmudgelehrter namens Saulus, der in der Apostelgeschichte des Lukas als "Paulus" firmiert, nachdem die beiden Gestalten an einer Stellen sichtlich literarisch ineinandergeschnitten wurden. Der Hintergrund dieses Tausches ist offenbar die Suche nach einer direkten Legitimation der Christen aus der Thomastradition heraus. Die Konsequenzen des Tausches für die Geschichte des frühen Christentums sind allerdings verheerend – durch die Überschneidung ist es äußerst mühevoll, wenn auch nicht ganz vergeblich, ein realistisches Bild der damaligen Vorgänge zu gewinnen – Näheres im Projekt.


nach oben

Philipperkommentar - fälschlich bereits in alter Zeit als Evangelium bezeichnetes Kommentarwerk aus dem zweiten Jahrhundert, in dem der Verfasser in aphoristischer Form zu zeitgenössischen Problemen im Verhältnis zwischen Christentum und Gnosis, aber auch zu internen Fragen der Auslegung Stellung nimmt. Das Werk spiegelt die vielfachen Entwicklungen und Meinungen, die im zweiten Jahrhundert herausgebildet worden waren in zwar nicht immer genialer, aber den Kolorit getreu abbildender Weise und ist als quasi Momentaufnahme wertvoll. Der Verfasser des Werkes stammt soviel man seinen Äußerungen entnehmen kann, aus einer nichtdualistischen Gemeinschaft in der Thomastradition, dessen Sentenzensammlung er denn auch ganz selbstverständlich als Herrenworte anerkennt. Daher wohl auch der Hinweis auf Philippi in Makedonien, wahrscheinlich der Alterssitz des Judas Thomas.


nach oben

Pistis Sophia - eine Arbeit aus dem sechsten Jahrhundert, die unter vielfachen Spekulationen im Kern eine qualitätvolle philosophische Abhandlung über das Schicksal der Vernunft enthält. Daneben ist sie ein Beweis dafür, daß die nichtdualistische Form der Gnosis durchaus in einigen Gebieten (hier wahrscheinlich Ägypten) ihre Bedeutung behielt. Der in dieser Schrift auftretende Typ des irdisch - kreatürlichen Empfindens ist kein Demiurgentypus.


nach oben

Polytheismus - älteres Konzept der Religionsausübung. Sämtliche Religionen der antiken Welt waren polytheistische Religionen, wobei es keine Rolle spielte, ob sie matrilinear oder patrilinear verfaßt waren. Polytheismus ist heute noch in vielen Gebieten und Kulturen der Erde präsent und lebendig, seine Anziehung ist in den vergangenen Jahren eher größer als schwächer geworden. Eine nicht zu vernachlässigende Rolle spielt dabei sicher die zwangsläufig größere innere Freiheit bei der Religionsausübung und der Festlegung des persönlichen Glaubenskonzeptes. Der Polytheismus steht in engem Zusammenhang mit den Naturreligionen, von denen er herkommt, stellt aber in Bezug auf sie eine Weiterentwicklung dar, indem nicht mehr nur Naturmächte, sondern auch menschliche Verhaltensweisen und Kulturfaktoren ethischer, aber auch durchaus technischer Art eine Apotheose erfahren. Grundlage des Polytheismus wie der Naturreligion ist das Verfahren der Projektion - undurchschaubar erscheinende oder immer wiederkehrende Phänomene in Natur und Seele werden per Projektion an ein konstruiertes "Gottesbild" abgegeben und der Mensch hierdurch sowohl psychisch entlastet als auch ethisch gebunden und in bezug auf seine Umwelt wenigstens subjektiv gesichert. Dieses Gottesbild wird dann entsprechend den nachfolgenden Ereignissen weiter ausgestaltet und kann mit geeigneten anderen Vorstellungen verschmelzen. Es gibt zwar für jeden dieser Götter eine Theologie, die als Mythologie und Ritenkunde daherkommt, aber diese Theologie ist immer momentan und kann beliebig verändert werden. So haben entsprechend der kulturellen Entwicklung alle polytheistischen Götter eine lange Geschichte von Modifikationen aufzuweisen, unter denen sie sich manchmal sogar substantiell veränderten wie die diversen dravidischen Gottheiten in Indien, die im System des Hinduismus aufgegangen sind und fortan als Emanationen von dessen Hauptgottheiten weiterexistieren, wobei aber die dravidische Religion ihrerseits auf Ritus und Konzeption dieser Hauptgötter wiederum eingewirkt hat. Eine totale Unterwerfung des einen Religionssystems durch ein anderes ist im Polytheismus nämlich nicht möglich. Aufgrund der Vergleichbarkeit der Phänomene können letztenendes nur Wechselbeziehungen herauskommen. - Eine Spielart des Polytheismus ist der sogenannte Henotheismus, der sein Pantheon einem einzigen Gott unterordnet ohne es an sich aufzulösen ( von griechisch hen = eins). Aus diesem Gott gehen die übrigen Götter denn auch hervor, stellen sozusagen Facetten desselben dar. Ein berühmtes henotheistisches System ist die ägyptische Religion. Ein Ansatz zum Henotheismus war auch die Einrichtung der lateinischen Sonnenreligion im zweiten und dritten Jahrhundert u.Z.. Ein weiteres henotheistisches Modell ist die religiöse Ausprägung des Buddhismus. Obgleich sie sich selbst dem Monotheismus zurechnet, kann man auch die christliche Religion als eigentlich henotheistisch ansprechen.


nach oben

Prinzipien - in der Lehre des Jeschua spielen Prinzipien nur eine untergeordnete bis gar keine Rolle - sein Hauptanliegen ist nicht die universale Architektur der ewig wirkenden Kräfte darzulegen, sondern die handgreifliche Methode, durch die der Mensch in die Lage versetzt wird, diese Kräfte wahrzunehmen und dann auch zu erkennen. Diesem Erkennen will er nicht vorgreifen, denn das würde das erscheinende Bild verfälschen. Der Mensch soll nicht etwas Bestimmtes suchen, sondern er soll an und für sich "mit Suchen nicht aufhören". Er versichert, daß etwas geschehen wird, aber er determiniert nicht, was - wenn es auch manchmal so aussieht. Die Einführung von Prinzipien ist der ® Miriam zu verdanken, die es wohl nicht vertragen konnte, daß das von ihr erfahrene zweite Urprinzip in dieser Lehre so sehr vernachlässigt wurde. Angesichts dessen, was aus dieser Prinzipienlehre dann für Unsinn entstanden ist, kann man die Bitte des Petrus am Ende des Thomasevangeliums, Miriam solle weggehen, sogar verstehen, obwohl Petrus sicher nicht dies im Blick hatte. Die nächste Stufe der Lehre sah dann so aus, daß es wohl zwei Prinzipien gab, diese aber nicht einander entgegenstanden, sondern einander ergänzend gedacht wurden - der Vater und seine Paargenossin, die verschiedene Namen bekam. Judas Thomas brachte es auf den Punkt, indem er seine nur einige Zeilen umfassende Urgenesis schrieb, die uns im Johannesprolog glücklicherweise erhalten blieb - allerdings in griechischer Übersetzung und dadurch verunklärt. Aber sein Gespür für das Wesentliche an der Lehre und an der Wirklichkeit erweist sich auch hier wieder als phänomenal. Dafür, daß ein Späterer an seine genialen Zeilen eine epigonal gnostisierende Erlöserspekulation anschloß, konnte er nichts. Diese Prinzipienlehre, die im Grunde niemals in Frage gestellt wurde, wurde dann aber verdunkelt und in den Hintergrund gedrängt durch die dualistische Theorie vom guten und bösen Prinzip, die hinfort das gnostische Denken beherrschen sollte. Die moderne Gnosis schließt in gewisser Weise an die erste Prinzipienlehre der alten Gnosis an, wenn sie in Sein und Vernunft Kräfte sieht, die aufeinander hinarbeiten um sich endlich zu einem einzigen Dasein zu vereinigen, in dem gleichwohl keines von beiden eliminiert wird, sondern beide erst ihre Eigentlichkeit entfalten.


nach oben

Priscillian, priscillianisch - Leiter einer gnostisch - manichäischen Schule im nordwestlichen Spanien des vierten Jahrhunderts. 386 wurde er, da er dem dort residierenden Caesar Maximus rechtlich unterstand, in Trier auf Betreiben zweier Bischöfe hingerichtet, obwohl sich ein so profilierter Mann wie (der heilige) Martin von Tours für ihn einsetzte. Sein Leichnam wurde nach Spanien überführt und in der Stadt Compostela bestattet. Dies und die durch seinen Tod nicht zu bremsende immer weitere Verbreitung seiner Botschaften bewog den katholischen Klerus zu einem Etikettenschwindel und einer regelrechten Besetzung, um die Verehrung seines Andenkens, deren er nicht Herr wurde, wenigstens zu kanalisieren. Es wurde verbreitet, das Grab sei das des Apostels Jakobus, einer legendarischen Gestalt und über diesem angeblichen Apostelgrab wurde eine Kirche errichtet, die mit der Zeit zu einer der größten Kathedralen Spaniens heranwuchs, sowie eine offizielle Wallfahrt eingerichtet. Die Bedeutung von Santiago de Compostela hält bekanntlich bis heute an, aber kaum jemand weiß, daß er seine frommen Gebete am Grabe eines der letzten namhaften Gnostiker verrichtet... Versuche, die Persönlichkeit Priscillian für die katholische Kirche zurückzugewinnen sind zwar ehrenhaft, aber vergeblich - alles, was man über ihn noch weiß, bestätigt seine Identität als Gnostiker. So hat er, selbst Laie, keine Ämterhierarchie gelten lassen und die kanonischen Evangelien verworfen wie auch das christliche Zeremoniell und die kirchlichen Ordnungen. Seine Schüler lebten in Kommunitäten miteinander, von wo aus sie zu Lehr- und Missionszügen durch ganz Spanien aufbrachen. Aus der priscillianischen Bewegung gingen die Katharer hervor.


nach oben

Ptolemaios - einer der bedeutenderen Lehrer der antiken Gnosis. Wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts. Für die Ausformung einer christlich akzentuierten Gnosis ist er von erheblicher Bedeutung. Auf die nachfolgenden Schulen haben seine Ideen nachhaltig eingewirkt, so auch auf Valentinus. Für die moderne Gnosis sind seine und ähnliche Lehren allerdings ohne Belang.


nach oben

Pyramidenlehre - esoterisch - mystischer Unsinn, der durch Spekulationen britisch orientierter religiöser Exzentriker am Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Mode kam. Man ermittelte diverse Zahlen, denen man Bedeutungen eigener Wahl zugrunde legte, unter anderem den sogenannten "Pyramidenzoll" als sogenanntes göttliches Maß, um die in den britischen und amerikanischen Bereich vordringende Metrik zu bekämpfen. Bekanntlich fügte Smythe am Sarg in der Cheopspyramide noch selbst einige Kratzer hinzu, als er feststellte, daß sein "Pyramidenzoll" wohl doch nicht das Maß der Architekten und Bildhauer gewesen war und gab diese als Maßstriche aus. Da sich aus derartigen Spekulationen mit entsprechendem Vorsatz alles errechnen und bedeuteln läßt, sind die Elaborate der Pyramidenlehre insgesamt wertlos und rechnen unter die Kuriosa der Archäologie. Einfluß hatte die Pyramidenlehre außer auf verschiedene esoterische Bewegungen der Neuzeit auch auf die Zeugen Jehovas, deren Gründer ein begeisterter Anhänger dieser Lehre war. Über die Pyramiden als architektonische Phänomene und Dokumente ägyptischer Geschichte (auch Ideologiegeschichte) siehe im Projekt.

nach oben