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 Die aufgeführten Begriffe sind nicht immer vordergründig gnostische Spezialbegriffe. Desgleichen sind die angeführten Artikel nach Notwendigkeit erstellt, also nicht immer bewußt kurz gehalten. Stichworte, die an anderer Stelle ausführlich behandelt werden, sind durch  und Fettdruck gekennzeichnet. Bei der Behandlung allgemeiner Themen haben wir uns nicht immer an die gängigen Versionen gehalten wenn dies nicht zweckdienlich erschien. Bei im Projekt näher ausgeführten Problemen finden Sie ebenfalls einen Hinweis darauf.
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Wichtige Begriffe
Sakkara - altägyptischer Grab- und Festbezirk ca. 30 km südlich von Kairo, in unmittelbarer Nähe des alten Memphis und seiner Nekropole. Nachweislich erbaut von Imhotep im Auftrag des Königs Djoser um die Mitte des dritten Jahrtausends vor unserer Zeitrechnung. Der Bezirk galt durch die gesamte ägyptische Geschichte als Nationalheiligtum und wurde öfter erweitert und restauriert, zuletzt von Ramses II. Zentrum des Komplexes ist die Stufenpyramide,. in der Imhotep seine Philosophie der Erkenntnis sowie auch die von ihm geprägte Staats- und Königsideologie sinnfällig darstellte. Wenn in die Pyramiden von Gizeh diverse Bedeutungen hineingeheimnist worden sind - im Komplex von Sakkara ist ein Vielfaches an Beziehungen augenfällig gegeben. Allerdings handelt es sich mehr um existenzphilosophische und staatsideologische als mathematische und religiös - spekulative Bezüge. Näheres im Projekt.
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Sakramente - bestimmte Handlungen im Christentum, aber auch in anderen Religionen, durch die der Gläubige, entweder vermittelt durch einen Priester oder auch durch das eigene Tun, in eine besondere Verbindung mit seinem Gott tritt. Sakramente sind stets Kernbestandteile einer Religion, Nichtzugehörigen wird der Zutritt zu ihnen möglichst erschwert, wenn nicht ganz verweigert. Sakramente werden in den verschiedenen Religionen mythologisch abgeleitet (es gibt eine Begründungsgeschichte) und theologisch aufgearbeitet (anhand von Schriften oder Überlegungen). Die Bewertung von Sakramenten ist eine innerreligiöse Angelegenheit und geht so über den Rahmen dieser Arbeit hinaus. - Die antike Gnosis kannte eine Reihe von Handlungen sakramentalen Charakters als da waren Salbungen, Segnungen, Taufen, Eucharistie ( Abendmahl), Weihen (das sogenannte Brautgemach). Für die moderne Gnosis ist davon nichts überkommen, da sie sich nicht als Religion begreift und so deren Muster auch nicht übernehmen kann.
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Satan - mythologische Gestalt aus dem zoroastrischen Persien, wo die exilierten Juden diese Gestalt kennenlernten und als Bereicherung ihrer eigenen Mythologie übernahmen. In der Thoraredaktion, die mit der Neueinrichtung des israelitischen Staatswesens einherging, wurde diese Gestalt mit einem eigenen Namen in die Mythologie eingearbeitet - sogenannter zweiter Schöpfungsbericht, freilich den Grundsätzen des Monotheismus entsprechend nicht wie in Persien als Gott, sondern als "Engelwesen". Im theologischen Judentum wurde er allerdings nie besonders populär, da man sich als auserwähltes Volk außerhalb von dessen Einflußbereich glaubte. In der Volksreligion hatte er hingegen als willkommene Möglichkeit, Mißhelligkeiten und Unzulänglichkeiten sowie die teilweise Nichtbeachtung des Kultgesetzes zu rechtfertigen bald Eingang gefunden und aus dieser Volksfrömmigkeit gelangte er ins Christentum. Vom Christentum her gelangte die Figur wiederum, freilich auch wiederum verändert, in die christianisierende Gnosis. Infolge der vielfachen durch den Untergang des römischen Reiches verursachten gesellschaftlichen Verwerfungen und den damit verbundenen individuellen wie auch gemeinschaftlichen Existenznöten bekam die mythologische Figur Satan immer mehr Kontur und wurde im Mittelalter geradezu zu einer Art Gegengott. Die Satansfurcht wurde durch die leibfeindliche Einstellung des mittelalterlichen Christentums teilweise bis zur Hysterie gesteigert, Satan galt fortan als Verkörperung der Leiblichkeit und des Geschlechtlichen an sich. Dieser Glaube an ein personifiziertes Böses, das sich gerade im Menschlichsten des Menschen zeigt, wurde von den späten Gnostikern geteilt, nur wurde dieses metaphysisch Böse wiederum den "Anderen" zugeschrieben. Er wurde auch durch die Reformation im sechzehnten Jahrhundert nicht beseitigt, obwohl er dogmatisch immer mehr in den Hintergrund trat. Vorbereitet durch diverse "Erweckungsbewegungen" im achtzehnten Jahrhundert erreichte der "Satansglauben" innerhalb der vielfachen auf eine Erneuerung des Irrationalismus gerichteten Strömungen der Romantik einen Höhepunkt. Aus Opposition gegen eine sich immer mehr dem Kommerz und der Berechenbarkeit der Welt zuwendenden Kultur formierten kleinbürgerliche, aber auch altadelige Kreise eine regelrechte Satansreligion, was es bis dahin nicht gegeben hatte. Die oft zitierte mittelalterliche Sekte der Luziferer war nachweislich eine Erfindung des Marburger Inquisitors Konrad im dreizehnten Jahrhundert. Auch der angebliche Satanskult der Imhoteps (um 2650 v.u.Z.) praktiziert wurde. Der Komplex von Templer beruhte auf durch Folter erpreßte Falschaussagen im Häresieprozeß, den Papst und französisches Königtum aus rein gewinnsüchtigen Motiven gegen den Orden führten. Dies alles ist den heutigen Satanisten wohl bekannt, wird von ihnen aber wohlweislich nicht angeführt. Statt dessen gibt es eine umfassende Literatur, die sich angelegen sein läßt, die wirklichen Zusammenhänge dieser Mythologie zu verwischen. Es ist eben leichter, eine negative Projektion zu schaffen, die man auch noch "verehren" und mystisch zufriedenstellen kann als sich ernsthaft und mühsam mit dem Problem einer Existenz zwischen Nein und Ja, Tun oder Lassen herumzuschlagen.
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Satanisten - verschiedene, auch bereits größere Gruppen der Neuzeit, die aus Opposition gegen die herrschenden Verhältnisse eine "Gegenkirche" gründeten, deren schlichte Dogmatik darin besteht, alles auf jeden Fall "anders" zu machen als im vermeintlich heuchlerischen täglichen Leben. Damit verbunden ist eine hohe Gewaltbereitschaft gegen alles und jeden und besonders gegen jede Form von Vernunft und Humanität. Besonderen Zulauf erhalten die satanistischen Gruppen von Jugendlichen in der Pubertät, da sich in dieser Umstellungsphase eine besondere Opposition gegen alles Bestehende einstellt. Der Jugendliche rebelliert gegen das System des Erwachsenenlebens, in das er sich einordnen soll. In dieser Gärungsphase dienen sich Satanisten meist an. Beherrscht werden diese Cliquen aber nicht von Jugendlichen, sondern von gut kalkulierenden Personen, die es darauf anlegen, Macht über andere und möglichst viel davon zu erlangen, die aber nicht das menschliche und bildungsmäßige Profil haben, das sie für eine politische Laufbahn prädestinieren würde. Die meisten satanistischen Gruppierungen sind reine Zwangssysteme und die Jugendlichen, die dies bald durchschauen und aus den Gruppen fortstreben, werden mit allen Mitteln psychischen und auch physischen Terrors dort festgehalten. Satanistische Gruppen sind im übrigen ein hervorragendes Studienobjekt, wenn es darum geht, was alles an Leiden und Entwürdigung ein Mensch zu ertragen imstande ist. Ebenso ist dort auch gut zu studieren, was alles man einem Menschen zumuten kann, wenn man ihm dafür einen Zuwachs an Geltung in Aussicht stellt. Neben diesen gut geführten und straff autoritär geleiteten international vernetzten Gruppierungen gibt es auch noch eine Menge kleinerer und teilweise auch "harmloserer" Gemeinschaften, die meist innerhalb der Jugendszene aufblühen und auch wieder verfallen, wenn der Reiz verflogen ist. Und sehr selten sind Menschen, denen es gelingt, indem sie die Etiketten wechseln nicht das Ethos mit dem Etikett zu wechseln, sondern unter einem neuen Namen auch ein neues Ethos zu gewinnen, das an Menschlichkeit dem alten nicht nur nicht nachsteht, sondern indem es alte Fehler vermeidet, wenigstens vorsichtig anfängt, es zu verbessern. Satan ist eine Projektion - und man kann aus Projektionen bekanntlich die verschiedensten Verhaltensnormen zurückgewinnen. Bezeichnend und bedenklich ist nur, daß diese vorsichtige und aufmerksame Haltung einer Umwidmung so sehr vereinzelt ist und die Mehrheit unter einer Umwidmung ein Mehr an Gewalt und Unmenschlichkeit versteht - welche Meinung haben wir eigentlich von uns, daß wir so etwas für konsequent halten können?
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Schamanen - noch heute existente Urform der Religion. In vielen Variationen auf der ganzen Erde anzutreffende Auffassung, nach der es besonderer Gaben, Techniken und Vorbereitungen bedarf, um mit dem "Überirdischen" in Verbindung zu treten. Das bevorzugte Mittel der Schamanen ist die Trance , die auf verschiedene Weisen erzeugt wird. Am gebräuchlichsten sind mitunter extremes Fasten sowie stereotyp - monotone Bewegungen, sogenannte Trancetänze, die manchmal von Rauschgifteinnahme begleitet werden. Auch der Gebrauch von Rauschmitteln ohne Fasten und Bewegungen ist üblich, sowie die Absenzerzeugung durch Schmerz. Hierbei kommt es zu einer Überladung der Rezeptoren, die dadurch insgesamt "abschalten" und auf die wesensmäßige Seite der Existenz "umschalten". Ziel ist das Erreichen eines anderen Bewußtseinszustandes, der es ermöglichen soll, mit Objekten in Verbindung zu treten, die ebenfalls einem anderen Bewußtseinszustand angehören. Grundlage des Schamanismus ist also ein Analogiedenken, das davon ausgeht, daß anderen Entitäten auf einer anderen Ebene der Existenz begegnet werden müsse. Viele dieser Methoden sind im Hinblick auf ihren Zweck auch durchaus wirksam und die Leistungen vieler Schamanen sind wirklich erstaunlich. - Die Erfahrung, daß es bei dieser "Kommunikation" auch weniger gewaltsam hergehen kann, ist die Grundlage des modernen esoterischen Schamanismus, das Elemente und Attribute der traditionellen Kultur verwendet ohne das Konzept in seiner ganzen Härte zu verfolgen. Dabei tritt der "prophetische" Aspekt des Schamanismus allerdings in den Hintergrund. Es geht den Anhängern schamanischer Gemeinden der Moderne nicht mehr darum, irgendwelche Gewalten zu befragen oder zu beschwören, obgleich das hin und wieder vorkommt. In der Hauptsache dienen die schamanischen Techniken dazu, die verkrampfte Psyche der Gläubigen durch geeignete Übungen zu lockern und stehen darin in einer Linie mit den verschiedenen Jogaarten und christlichen Meditationsgemeinschaften. Mit den praktischen Ergebnissen des Schamanierens (Heilen von Krankheiten, Wiederfinden verlorener Gegenstände, Überführen von Kriminellen) haben diese schamanischen Zirkel allerdings keine Berührung.
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Schechina - in der jüdischen Volksreligion der Name für die personifizierte, von Manchen weiblich gedachte Gegenwart Jahves. In der jüdischen Religion nach dem Fall des Tempels und in der Diaspora bekam die Schechina dogmatischen Charakter ohne eigentlich in der Thora verankert zu sein. Das einzige Indiz für die Bedeutung, welche die Schechina bereits im Judentum des Tempels spielte, ist die Ansicht, daß sie auf der Bundeslade, dem Zentralheiligtum der Israeliten im Allerheiligsten des Jerusalemer Tempels ruhen und wachen würde. In der Urfassung des messianisch ausgerichteten Christentums gilt der Taufbericht als Bericht über die (im Messianismus notwendige) Einwohnung der Schechina in Jesus durch die Niederlassung "gleich einer Taube". Dabei ist interessant, daß das Taubensymbol als Symbol der Schechina sich auf die kanaanäische Urgöttin Jahu zurückführt, deren Name "Taube" bedeutet und die durch den Jahve (man beachte den Namensanklang) der israelitischen Nomaden abgelöst wurde. Ohne Zweifel ist hier etwas geschehen, was im ungefähr gleichen Zeitraster auch an anderen Stellen der Menschheitsentwicklung stattgefunden hat: die Ablösung des matriarchalen Urbildes der Religion durch ein patriarchales infolge gesellschaftlicher Grundlagenveränderungen. Im modernen Judentum hat die Schechina einen festen dogmatischen und auch liturgischen Platz ohne daß sie gesondert verehrt würde; sie ist aber unter anderem Legitimation dafür, daß das moderne Judentum den Sektor Geistlichkeit auch für Frauen geöffnet hat.
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Sciencefiction - Literatur- und Filmgattung, deren Gegenstand die Zukunft in jeglicher Form ist. Im Gegensatz zur verwandten Gattung Utopie steht in der Sciencefiction die technische Entwicklung mit ihren Möglichkeiten im Vordergrund, was jedoch nicht mit "Ingenieuroptimismus" verwechseln werden darf - es gibt reichlich Technik- und wissenschaftskritische Sciencefiction. Ebenso ist in einer guten Sciencefiction auch die ethisch - moralische Komponente stets berücksichtigt. Dies entsprechend den Intentionen der Autoren in durchaus unterschiedlicher Weise und Orientierung.
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Scientology - vollständiger Name: Church of Scientology. Zahlenmäßig nicht eben umfangreiche, aber weltweit einflußreiche und in diversen Organisationsformen verzweigte synkretistische Neureligion. In ihrer Struktur finden wir alles zusammengefaßt, was in den vergangenen hundert Jahren an Erfahrungen mit der Organisation religiöser Vereinigungen gesammelt worden ist. Da der Gegenstand der Neureligion das Geld an und für sich ist, und ihre selbstgesetzte Aufgabe darin besteht, ihm alle Ehre anzutun, ist es nur konsequent, wenn sie sich in den Formen eines modernen Hyperkonzerns verifiziert. Näheres im Projekt.
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Sekten - Begriff der kirchlichen Amtssprache mit dem vorzugsweise Abweichungen von der dominanten Ideologie gekennzeichnet werden. In neuerer Zeit ist dieser Begriff auch auf nichtchristliche Gruppen angewandt worden, die man richtiger als Religionen bezeichnet, unabhängig von ihrer meist geringen Anhängerzahl. So besteht das esoterische Spektrum aus einer Vielzahl solcher Religionen, die ihrerseits wieder Sekten ausbilden wie die große Religion des Channeling und der verschiedenen UFO - Kulte. Es gibt Religionskonzepte, die ganz und gar auf der Existenz von Sekten beruhen, wie die verschiedenen Spielarten des Hinduismus, des (religiösen) Buddhismus, sowie des japanischen Shinto. Auch die stammesgebundenen religiösen Traditionen der Indianer und der Afrikaner sind in Form verschiedener Sekten lebendig, aus denen sich stammesübergreifende Großgruppen gebildet haben, wie der Woodoo im afrikanisch - amerikanischen und die United Church of Natives im indianischen Spektrum. Diese prinzipielle Wahlfreiheit im Erstellen liturgischer und theologischer Formulare ist Kennzeichen des Polytheismus und insoweit ist der Sektenbegriff hier wertfrei verstanden. In der kirchlichen Sprache ist er dies keineswegs, sondern beinhaltet, bedingt durch das Postulat des Monotheismus seit den frühesten Zeiten des Christentums eine Minderbewertung eines anderen Konzeptes, von dem man sich abzugrenzen wünscht. Was die Herkunft des Begriffes angeht, so stehen wohl entgegen der kirchlichen Versicherung die Begriffe sequi - folgen als Ausdruck einer Schule, der man sich anschließt und sectare - abschneiden als Ausdruck der Trennung vom religiösen Mainstream gleichwertig nebeneinander. - Unter den vom kirchlichen Verständnis dominierten Begriff der Sekte sind in der Vergangenheit auch völlig selbständige Entwicklungen gefallen wie die verschiedenen postmanichäischen Bewegungen. ( Bogomilen, Paulikianer, Priscillianer, Katharer). Außerdem sind auch die verschiedenen Schulen der antiken Gnosis als Sekten bezeichnet worden, was sie angesichts der Lehrfreiheit in der Gnosis gar nicht sein konnten. - Mit dem Sektenbegriff geht stets die Intention einher, sich gegen das Gedankengut der Anderen verteidigen zu müssen, als sei man sich der eigenen Theorien durchaus nicht sicher. Das mag in den frühen Zeiten der Kirche auch tatsächlich so gewesen sein, während es in der zweiten Hälfte des ersten Jahrtausends und im zweiten eher so gewesen ist, daß die Theorien zwar in sich fest gefügt waren, von außen aber stets angreifbar geblieben sind. Daß die entstandenen Sekten es auch sind, steht allerdings außer Frage, denn die christliche Ideologie trägt ihre Zentrifugalkräfte in sich und so kann nichts, was auf ihrem Boden entsteht, davon frei sein. Und wie die christlichen Großkirchen sich nicht gescheut haben, mit demagogischen, populistischen und auch aggressiven Methoden zu arbeiten, so scheuten und scheuen sich auch ihre Ableger nicht davor, was dann wieder den Großkirchen willkommene Anhaltspunkte der Sektenbekämpfung liefert, die sie kritiklos nutzen. Von außen mutet das Ringen der Kirchen mit den verschiedenen Sekten und neuen Religionen einigermaßen kurios an als ein Circulus vitiosus in dem jeder versucht, dem anderen die Beute abzujagen nachdem er sie ihm erst zugetrieben hat. - Kultur- und geistesgeschichtlich ist das Thema Sekten ein ergiebiges und interessantes Feld, das einem aufmerksamen Beobachter wie in einem Laboratorium das gesamte Spektrum einer Ideologie offenbart und durch dieses Spektrum ihr Wesen. Aktuell ist es ein Bereich in dem stärker als in anderen gesellschaftliche Frustrationen, aber auch Wesenszüge des aktuellen Wertesystems sichtbar werden. So in der Gegenwart am Erstarken der verschiedenen Fundamentalismen und an der nahezu unverhüllten wirtschaftlichen Motivation vieler Sekten und Neureligionen, denen ideelle Inhalte nur aufgestülpt und zum Zwecke der Prosperität einer Minderheit vermarktet werden. Besonders signifikante Fälle sind hier Scientology als regelrechte Religion des finanziellen Gewinns, die Zeugen Jehovas als Beispiel dafür, wie Fundamentalismusim Tiefsten motiviert ist. Aber auch eine Vielzahl größerer und kleinerer Gruppen schlagen in diese Kerben. Dabei ist interessant, daß die meisten christlich motivierten Sekten ausgesprochen selbstbezogen und intolerant anderen Geistesrichtungen gegenüber sind, während die nichtchristlichen Religionen anderen Richtungen eher indifferent gegenüberstehen. Hier spricht sich nicht persönliche Willkür, sondern ein Generaltopos des Monotheismus aus. Während die großen Religionen aus Gründen der gesellschaftlichen Akzeptanz in dieser Frage Zugeständnisse machen müssen (höchst ungern), kann sich dieser Topos im begrenzten Feld der Sektenreligiosität frei ausleben. Vorhanden ist er auch dort und es bedarf gar keiner großen Schürfarbeit, um ihn zutage zu fördern. Was die Behauptung einer angeblich tieferen Religiosität in den Sekten angeht, so ist dies allerdings reine Propaganda pro domo - im Gegenteil ist Bigotterie und religiöse Heuchelei in den Sekten um vieles verbreiteter und offensichtlicher als in den Großkirchen, da die meisten Konzepte nur um diesen Preis zu halten sind - nicht alle. - Angesichts der fortschreitenden Entpersönlichung der Gesellschaft und Intellektualisierung der großkirchlichen Konzepte haben die Sekten den Faktor der Sozialisierung als für sie werbewirksames Medium erkannt und praktizieren ihn in der ihnen gemäßen rigorosen Form. Sie versprechen - und halten - für den Neuankömmling wie für den langjährigen Angehörigen - eine praktisch funktionierende soziale Subkultur bereit, die er so im "weltlichen" Bereich nicht findet und ein ganz wesentlicher Faktor ihrer Bestandssicherheit ist die Möglichkeit, diese Gemeinschaftlichkeit auch im täglichen Leben nach dem Prinzip von Lohn und Strafe dosieren zu können. Daß diese Möglichkeit überhaupt besteht, stellt unserer Gesellschaft allerdings ein entsetzliches Armutszeugnis aus. Was bedeutet es denn anderes, als daß diese Gesellschaft der Mehrheit nicht mehr fähig ist, den Mitmenschen liebevoll anzunehmen, ihn zu respektieren und ihm allein um seines Menschseins willen die Teilhabe an allen ihren Facetten zu gewähren. Daß sie nicht mehr fähig ist, soziale Strukturen zu schaffen und zu erhalten, die eine Zustimmung zu rigiden Dogmen als Preis der menschlichen Anerkennung überflüssig machen. Da diese Mitmenschlichkeit oder doch zumindest der Anschein dessen die stärkste Bastion jeder christlichen Sekte ist, wird sie selbst um den Preis der Heuchelei und der Vertuschung von Konflikten aufrechterhalten; wer dieser Heuchelei auf die Spur kommt, wird zu einem Risikofaktor für den Bestand der Sekte und wird rigoros entfernt. Diese Verfahrensweise führt dann zu neuer Heuchelei, denn niemand möchte schließlich das Gefühl von Mitmenschlichkeit entbehren, auch wenn er zuinnerst weiß, daß es Fassade ist. Dieses Bedürfnis ist so stark, daß bereits der Anschein tröstet. Die verschiedenen Lehrstreitigkeiten der Sekten und Kirchen untereinander sind hingegen für den Gläubigen eher uninteressant - hier gibt er sich mit wenigen, ihm verständlichen, Versatzstücken zufrieden. Bei Licht betrachtet gibt es kein Konzept, das nicht schwerwiegende und ins Auge fallende Fehler logischer und auch theologischer Art enthielte, aber das betrifft auch die großkirchlichen Konzepte und so wird der Streit zwischen den Geschwistern wohl kaum zu einem Ende kommen ehe das Problem als solches überflüssig geworden ist. Aus diesen Versatzstücken entstehen dann mit der Zeit regelrechte Kulturen mit eigenen Verhaltensmustern und Denk- sowie Gefühlsstrukturen. Daß die Fähigkeit zum komplexen Denken dabei mitunter gänzlich verloren geht, wird den Meisten nicht bewußt, da sie solches Denken ohnehin niemals kennengelernt haben. Solange sie in der Gemeinschaft verbleiben, wird dieses Defizit auch nicht relevant - erst im Augenblick eines - unfreiwilligen - Verlassens wird es angesichts des Auseinanderklaffens von Sektenrealität und Gesellschaftsrealität spürbar - mit mitunter katastrophalen Folgen für Körper und Seele. Kommt es freiwillig zum Abschied, so besteht bereits wenigstens ein kritischer Abstand zum Lebenskonzept der Sekte - aber dieser Abstand erweist sich in der Praxis oft genug auch noch als ungenügend, da er nur theoretisch erfaßt und nicht eingeübt werden konnte. So ist bei vielen ehemaligen Zeugen Jehovas mit denen ich in Kontakt trat, das Denken und Fühlen der Sekte noch keineswegs geschwunden, es ist oft nicht einmal relativiert und das oft nach jahrelanger Abwesenheit von den Sektenmechanismen. Man versucht, das erlernte Konzept auf die Welt zu übertragen und sucht nach Brücken, die sich dann oft im Ergreifen einer anderen Religion äußern. Daß eine Generalinventur des geistigen Status unternommen wird, ist die Ausnahme, Austausch der Konzepte die Regel. Gewisse Parallelen zum Werdegang eines Drogensüchtigen in der Abstinenz drängen sich auf und sind sicher nicht von der Hand zu weisen. - Neben der prononcierten Sozialität ist es ein Kennzeichen von Sekten, daß sie straff und streng hierarchisch konstituiert sind und daß an ihrer Spitze ein als nahezu oder auch tatsächlich göttlich angesehenes Oberhaupt steht, dessen Befehlen (religiösen wie nichtreligiösen) man bedingungslos zu gehorchen hat. Insoweit sind Sekten a priori totalitär und diese ® Totalität wird nach unten durch die verschiedenen Gremien weitergegeben. Daher stimmen auch alle Analysen totalitärer Systeme mit Sektensystemen bis in Einzelheiten überein. Ein mit diesem zusammenhängendes Merkmal ist das Herausbrechen des Proselyten aus den bisherigen "weltlichen" und "sündigen" sozialen Beziehungen und seine totale Vereinnahmung durch die Ansprüche, das Gedankengut und die sozialen Mechanismen der Sekte. Hingegen halte ich die Mythen von "Gehirnwäschen" für zweifelhaft, denn jede Manipulation findet ihre naturgegebene Grenze am Unwillen des Individuums und kann nicht gegen dieses zum Erfolg führen. Wenn sich also jemand mit den Inhalten eines Sektenkonzeptes einverstanden erklärt, dann ist zu unterstellen, daß er diesem Konzept von sich aus zustimmt - gleich aus welchen Gründen. Sehr oft ist mangelhafte Informiertheit der Grund, nicht über die Sekte, sondern über Sinn und Zweck der Existenz an sich. Diese Informiertheit ist leider nicht ohne erheblichen Lernaufwand zu erreichen - während die Konzepte der Sekten und Neureligionen (mit Ausnahmen) leicht faßliche Faustformeln anstelle von pädagogischer Hilfestellung verabreichen und so der durch Generationen zementierten gesamtgesellschaftlichen Tradition geistiger Trägheit entgegenkommen. An einem Aufbrechen dieser Tradition ist ihnen verständlicherweise nicht gelegen, da sonst die Bereitwilligkeit zur Unterwerfung unter das Konzept arg gefährdet ist. - Ein weiteres Merkmal von Sektenkonzepten ist das bewußte Verzerren des gesamtgesellschaftlichen Bildes. Dies mit der Absicht, durch Abschreckung ein Barriere zu schaffen; die Natur dieser Verzerrung ist allerdings von Fall zu Fall durchaus unterschiedlich stark. So wird die Notwendigkeit von Arbeit und Erwerb meist nicht verzerrt, da das Einkommen aus dieser Arbeit den Sekten den notwendigen ökonomischen Rückhalt und ihren Gurus den erhofften Reichtum garantieren soll. Heftig polemisiert wird gegen alles, was auch nur entfernt im Geruch steht, intellektuelle Distanz zu fördern und zu kritischer Sicht zu befähigen. Das gesellschaftliche Bild außerhalb der Sekte wird nach Kräften verzerrt indem schlechte Nachrichten überbetont, gute verschwiegen werden. Um ein Ausweichen auf objektivere Quellen zu vermeiden, wird ein umfangreiches eigenes Informationsmaterial geschaffen, das den eigenen Interessen entspricht und mit einer Darstellung an die Adresse einer zu interessierenden Öffentlichkeit nur bedingt etwas gemein hat. Hier will man nicht etwa neutral informieren, sondern missionieren. Das bedeutet, daß man das Profil der eigenen Lehre und Truppe in den freundlichsten Farben, das der "Welt" in den allerdüstersten malt. Es ist eine Schande, daß die "weltliche" Kommunikation dieser Farbpalette beinahe widerspruchslos Material in solcher Menge zur Verfügung stellt, daß die Sekten eher als daß sie suchen müßten, mit der Auswahl nicht nachkommen. Das liegt aber nicht an der Verdorbenheit der Welt (da ist freilich viel im argen), sondern am Prinzip der bürgerlichen Informationsmedien, für die nur die schlechte Nachricht eine "Nachricht" ist, während die guten als langweilig gelten. Dieses Prinzip hat im Verlauf der letzten Jahrzehnte dazu geführt, daß eher die schlechte Nachricht langweilig geworden und die Öffentlichkeit gegen sie abgestumpft ist, während die gute Nachricht als Ermunterung und Zuversicht auf eine mögliche Zukunft dringend nötig geworden ist - die Medienzaren haben das allerdings noch nicht begriffen. Und auch nicht begriffen, daß sie damit den Sekten einen unschätzbaren Dienst erweisen; aber es liegt dergleichen ja auch nicht im Horizont ihres Interesses. Hingegen das Geschäft mit der Angst wohl - und eben hier begegnen sie sich mit dem Geschäft der Sekten. Das bedeutet, daß sie in einer aufgeklärten, geordneten und auf weite Sicht orientierten Gesellschaft keine Chance hätten - und also fürchten sie nichts so sehr, wie eine solche Aussicht. Wenn sie Paradiese verheißen, dann solche, in denen ihre eigenen Lebensanschauungen unbeschränkt von Zeit und Raum Gültigkeit haben und in denen ihre verschiedenen Gurus auf immer die Herren sind. Die daraus folgende Einsicht, daß solche Paradiese kaum den Geschmack der Mehrheit treffen würden, begegnen sie mit der Doktrin der Verworfenheit aller "Ungläubigen" die sie schon im Voraus aus ihrem Paradies vertreiben. Damit haben sie auch wieder ein Mittel, um ihre Gläubigen bei der Stange zu halten und so dreht sich der Göpel im Kreis. - In einem Kreis, aus dem der Ausbruch unmöglich erscheint und doch immer wieder geschieht; Beispiel und Beweis dafür, daß es keinen Knebel gibt, den nicht irgendwann doch jemand wieder ausspuckt. Ich denke, wenn wir einmal eine wirkliche Ermunterung brauchen, dann ist es solch eine.
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Simon Magus - angeblicher früher gnostischer Lehrer, soll im ersten Jahrhundert post in Samaria (heute zu Israel gehörig) gelebt haben. Erwähnung außer in den Kirchenvätern auch in der Apostelgeschichte, eigene Schriften sind nicht erhalten, die Berichte der Kirchenväter sind legendarisch, die der Apostelgeschichte polemisch. Hintergrund zu dieser Legende kann allerdings die bei Thomas verbürgte Gestalt des Simon gewesen sein - Näheres wird leider nicht mehr zu erfahren sein. Hinzuweisen ist noch auf das polemische Megas - Magos - Spiel, das auch hier getrieben wird und gemeinhin nur dann aufkommt, wenn es sich um Persönlichkeiten handelt, die auch im christlichen Umfeld einigermaßen bekannt waren.
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Sonnentanz - bei mehreren amerikanischen Präriestämmen (Dakota, Blackfeet, Crow, Cheyenne, Mandan usf.) bekanntes magisches Lebenserhaltungsritual, das, im Einzelnen unterschiedlich, im Kern identisch ist. Der eigentliche, von anderen umrahmte Ritus besteht darin, daß der Sonne das Blut eines lebendigen Menschen geopfert wird. Das erscheint nötig, damit sie nach ihrer langen Winterfahrt durch die Unterwelt(sic!) wieder Kraft für den nächsten Sommer gewinnen kann. Dieselbe Überlegung treffen wir wieder bei den Azteken und Maya und auf jeden Fall bei den Quechua - die Gepflogenheiten der übrigen Kulturen kennen wir dank der sauberen Vernichtungsarbeit unserer spanisch - katholischen Brüder leider nicht mehr. Der Sonnentanz wird im Spätsommer/Frühherbst in großem Rahmen begangen, kann aber auch dazwischen durchgeführt werden, wenn die Notwendigkeit hierzu angeordnet werden sollte oder wenn ein Krieger dies wegen eines besonderen Gelübdes zu tun wünscht. Dann kann es auch zu ganz individuellen Riten kommen, die allein zelebriert werden dürfen. Bei einigen Stämmen galt der Sonnentanz zugleich als Initiationsritus für den Krieger, bei anderen für die Erziehung zum "Schamanen". Der Ritus des Sonnentanzes ist nach hundertjährigem Verbot bei den Indianern Nordamerikas wieder aktiv und spielt in der Emanzipationsbewegung seit den siebziger Jahren eine erhebliche identitätsbestätigende und missionarische Rolle.
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Sophia - griechisch "Weisheit" - der in der antiken Welt gebräuchlichste Name für das zweite Prinzip der Gottheit. Daneben existieren noch diverse Synonyme: Sige - Schweigen, Ennoia - innere Vernunft, Pronoia - Vorsehung, aber auch "Logos" - Vernunft und grammatisch männlich, und Aletheia - Wahrheit. Gemeint ist in allen Fällen die "Vernunft" genannte Seite der Gottheit, die sich aus der Bewußtwerdung derselben gebildet und dieser gegenübergetreten ist. Dies Gegenübertreten erfolgte sehr kontrovers und die weitere Geschichte der beiden Kräfte besteht darin, diese anfängliche Kontroverse beizulegen. Das Bild, in dem diese Kontroverse im menschlichen Bereich erscheint, ist das Verhältnis und die Existenz der beiden Geschlechter. Weil die antike Gnosis in diesen Geschlechtern das Abbild der uranfänglichen Gottheit sah, hat sie diese auch niemals diskriminiert. Gleichwohl haben einzelne Vertreter der Versuchung nicht widerstehen können, wenigstens Kritik am weiblichen Geschlecht zu üben - unbeschadet einer genuinen Anerkennung und Hochschätzung, die in der antiken Welt nicht ihresgleichen hatte und im Falle des Christentums dann auch bald zurückgenommen wurde. Und zwar ohne jene Vorbedingung, die einer Aufgabe des Spezifischen gleich gekommen wäre: der Verleugnung des Sexuellen. Die Gnostikerinnen der ersten Generationen waren vollwertig als Geschlechtswesen anerkannte Frauen und in vielen Gemeinschaften blieben sie das auch lange Zeit hindurch. Erst die Angleichungsbestrebungen an das Christentum brachten hier Änderungen - aber niemals ging die Gnosis so weit, Frauen auf Grund ihres Geschlechts als minderwertig hinzustellen. Vielmehr versuchte das entstehende Christentum zunächst einmal die Parameter der Gnosis zu kopieren und kehrte erst nach und nach in den orientalisch - griechisch - jüdischen Rahmen zurück. Daher auch der anfangs enorme Zustrom von Frauen zu gerade dieser Sekte. Ein guter Spiegel dieser Entwicklung ist die paulinische Literatur vom Galater- zum Korintherbrief, die deutlich den Niedergang zeigt. Die Gnosis hat diese Niedergang auch dann nicht mitgemacht, als sie sich in Details kompromißbereit zeigte - zum Beispiel hat sie nach wie vor von Frauen und Männern dieselbe Leistung verlangt, wenn es um die internen Disziplinen ging und nach wie vor Männer und Frauen im Lehramt gleich gesehen und behandelt. Verzicht auf Sexualität verlangte sie zum Beispiel entweder gar nicht oder von beiden Seiten. Und die geistige Potenz von Frauen stellte sie schon gar nicht in Frage und das über zwei Jahrtausende nicht. Wäre die christliche Ideologie diesem Konzept gefolgt, wäre die Emanzipation bereits seit Jahrhunderten eine Selbstverständlichkeit und Theorien wie die Freuds eine bloße Anekdote. Damit wäre auch den Männern sehr viel Leid erspart geblieben. - Wie die moderne Gnosis diese Frage sieht, mag man daran ermessen daß ich, eine verheiratete Frau, dieses Lexikon erstelle, zu ich gemeinsam mit zwei Männern und einer andren Frau die wesentlichen Inhalte eruiert habe.
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Spielwiesen- Terminus der neuen Gnosis für "nichtmateriell" strukturierte ( im Sinne der hier gültigen Physik) und Traum - Welten. In der Anthroposophie und in diversen esoterischen Zirkeln besser bekannt als "höhere Welten". Da materielle und nichtmaterielle Struktur Spielarten ein und desselben Seins sind und es eher vorkommt, daß Menschen jene Welten entdecken und begreifen als daß jemand den umgekehrten Weg geht, ist nicht einzusehen, warum diese Welten und Gebilde "höher" sein sollten und die materielle Struktur entsprechend "nieder". Die größte strukturelle Differenzierung ist vielmehr in der materiellen Struktur anzutreffen und so auch die meisten und vielfältigsten Inhalte. Der in den mystischen Begriffen faßbaren Inferiorität liegt vielmehr das christliche Denken und sein Welt- und Menschenbild zugrunde. Dieses Denken hat bekanntlich schon lange vergessen, was in seiner eigenen Bibel steht. Es steht nämlich leider auch Anderes darin und man sieht, wohin die Wahl gefallen ist - eine ganz freiwillige Wahl. Der Sünder hat das Rennen gemacht und nicht das "Ebenbild Gottes". Aber vielleicht ist das Ideal gar nicht der unfehlbare Mensch, denn sonst würde es ihn geben. Vielleicht ist das Ziel und ist der Sinn dieser Welt eben ihre ungeheure Komplexität, die alles enthält, was uns in sogenannten "höheren Welten" nur stückweise und kaum je erkennbar begegnet. Und der Mensch, unzufrieden mit dieser stets störenden Vielfalt, flieht in einfacher Strukturiertes, statt seine Mission anzunehmen - gleich, was noch immer sein mag, der Mensch ist nicht dort, sondern hier auf Erden und das ist kein Versehen, wie die alte Gnosis annahm, sondern genau der Sinn der Sache. Anderes ist da und ist weder höher noch nieder sondern einfach anders - für uns mit dem Siegel der Unverbindlichkeit; es ist nicht unseres, uns auch nicht anvertraut. Anvertraut ist uns das hier, wir sind darin entstanden und daraus Wer weiß - vielleicht gibt es Wesenheiten, denen das hier, das wir so gering schätzen, daß wir von höheren Welten sprechen, wie eine himmlische Offenbarung erschiene, kämen sie nur her.
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Spiritualität - architektonischer Höhepunkt des Grab- und Festbezirkes von Sakkara bei Memphis, der von Imhotep errichtet wurde. Frühstes, großartigstes und bis heute an Sinnfälligkeit nicht überbotenes Sinnbild der Gnosis - mitnichten ein "Vorstufe" zu den Pyramiden. Diese waren vielmehr immer weniger verstandene Nachschöpfungen, auch wenn die wesentlichen Züge der Gnosis in der ägyptischen Kultur erhalten blieben. Daß auch sie als ingenieurtechnische, architektonische und ästhetische Leistungen dem Erbe der Weltkultur rechtmäßig zugehören, bleibt davon unberührt. Die Tatsache, daß auch in anderen Kulturen Stufenpyramiden errichtet wurden, berührt die Intentionen Imhoteps ebenfalls nicht.
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Stufenpyramide - Fähigkeit des Menschen, sein Dasein auch unter anderen als den unmittelbar vorfindlichen Aspekten zu betrachten. Kennzeichen seiner Stellung im Gesamtspektrum der Lebensformen. Gelegentlich wird Spiritualität allerdings mißverstanden als eine besondere Art von "Geistigkeit" mit lebenspraktischen Konsequenzen als da sind Askese, Bedürftigkeit, exponierte Religiosität, besondere Demutshaltung oder auch ein übersteigertes Selbstgefühl. Der spirituelle Bereich des Menschlichen ist ein ebenso selbstverständlicher und allgemeiner wie der konkret materiell - biologische und nur durch das Objekt der Aufmerksamkeit von diesem unterschieden. Dabei sind die Bereiche aber keineswegs starr voneinander getrennt, sondern gehen vielmehr ständig ineinander über - Folge der Geistigkeit der Welt.
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Sünde - ein in der Gnosis unmöglicher Begriff. Statt dessen kennt die (moderne) Gnosis den (auch juristisch faßbaren) Begriff der Schuld als gesellschaftliches Ereignis. Sünde intendiert von ihrer Begrifflichkeit her aber eine transzendentale Bedeutung als Verfehlung zwischen dem Menschen als Individuum und Gott. Das setzt voraus, daß es von Gott determinierte Verhaltensweisen gibt, von denen abzuweichen eine solche Verfehlung wäre. Eine solche Determination aber gibt es nicht - alle diesbezüglichen Literaturen sind nichts als Literaturen, Dokumente eine Gottesvorstellung, der keine Tatsachen entsprechen müssen. Von der Überlegung steht dem entgegen, daß der Gott, den die Gnosis akzeptiert, keine "Vorschriften" macht, da es um die vollständige Entfaltung des Menschen als Wesenheit geht und "Vorschriften" jeder Art diese Entfaltung hemmen könnten. Inwieweit der Mensch dahin kommt, gewissen Möglichkeiten, die er hätte, nicht zu brauchen, wird allein durch seinen Erkenntnisstand entschieden; auch wenn gesellschaftliche Normen ihm bei der Suche Entscheidungshilfe geben. Verfehlt er sich gegen solche Normen entsteht ein Zwiespalt zwischen Individuen - ein Zwiespalt zwischen Mensch und Gott entsteht objektiv nicht - allerdings bleibt es dem Individuum unbenommen, eine solchen zu konstruieren, da es ja alle Freiheit in dieser Hinsicht hat. Und so wird die Gnosis auch das Auftauchen des Begriffes in religiösen Systemen nicht kritisieren - sich nur gegen die Stichhaltigkeit desselben im generellen Rahmen verwahren.
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