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Die aufgeführten Begriffe sind nicht immer vordergründig gnostische Spezialbegriffe. Desgleichen sind die angeführten Artikel nach Notwendigkeit erstellt, also nicht immer bewußt kurz gehalten. Stichworte, die an anderer Stelle ausführlich behandelt werden, sind durch und Fettdruck gekennzeichnet. Bei der Behandlung allgemeiner Themen haben wir uns nicht immer an die gängigen Versionen gehalten wenn dies nicht zweckdienlich erschien. Bei im Projekt näher ausgeführten Problemen finden Sie ebenfalls einen Hinweis darauf.



Lexikon


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Wichtige Begriffe




Tarot – mittelalterliches Kartenspiel mit Typenkarten in bestimmten Hierarchien. Tarot wurde bald zu einem Mittel der Zukunftsvoraussage, indem die vorgegebenen Hierarchien ausgedeutet und transzendiert wurden. Man versuchte aus der Lage und dem Auftauchen bestimmter Karten aus dem verdeckten Spiel die Zukunft dessen zu erfahren, der die Karten zog. Eine große Rolle spielte die Symbolik des Tarot in der Kabbala. Heute ist das Tarot das ausgebauteste der vielen Zukunftsvorhersageverfahren. Daneben ist es ein bedeutender Zweig der esoterisch bestimmten bildenden Kunst. Viele Künstler sind bestrebt, ihr Selbst wie sie es begreifen, in den Formen der Tarotallegorien auszudrücken.


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Taufe - Hauptritus der christlichen Initiation. Kern der Taufhandlung ist das Untertauchen des Täuflings im Wasser. Der Sinn der christlichen Taufe ist neben der kultischen Reinigung von allen Sünden vor allem die spirituelle Wiederholung des Todes und der Auferstehung Jesu durch ein sinnbildliches Ertrinken und Gerettetwerden aus dem Wasser. - Jesus selbst hat nicht getauft und seine eigene angebliche Taufe durch den Bußprediger Johannes steht in engem Zusammenhang mit der christlich - jüdischen Messiasideologie (Einwohnung der Schechina in den "Gesalbten"). Ob sie tatsächlich erfolgt ist, bleibt dahingestellt, zumal die sogenannten Taufbefehle im Christentum nachweislich einer späten Stufe der Mission angehören. Interessant ist ferner auch, daß von keinem der Jesusjünger eine Taufe berichtet wird - erst die Generation nach und neben Paulus unterliegt diesem Ritus, der im übrigen in den verschiedenen christlichen Gemeinden auch wohl unterschiedlich und in unterschiedlichem Verständnis geübt wurde. - In der antiken Gnosis ist die Taufe ebenfalls bekannt - allerdings nur als Reinigungsritus, die entsprechend den verschiedenen Stufen, die der Einzuweihende erreicht, unter immer anderen Aspekten wiederholt wird. Schattenhaft ist dieser Brauch noch in den Mandäerritualen greifbar. - Die christliche Taufe wie auch die Taufe in der Gnosis verstanden sich im Ursprung als Erwachsenentaufe. Erst im Verlauf der Entwicklung zu einer Staats- und Volksreligion bürgerte sich die Taufe von Kindern ein - dabei ging die ursprüngliche Bedeutung des Todes- und Auferstehungsmysteriums immer mehr zurück. Indessen ist die Erwachsenentaufe auch heute noch in allen christlichen Denominationen präsent - in vielen kleineren Gemeinschaften ist sie nach wie vor der einzige Ritus.


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Telepathie - manchmal recht mysteriös beschriebene Technik der Kommunikation. Das mysteriöse Moment beruht auf einer weitgehenden Unkenntnis der dieses Phänomen ermöglichenden Bedingungen. Grundlage dieser (erlernbaren) Technik sind neben einem gesunden Selbstvertrauen die Bereitschaft zu einer starken Konzentration auf das eigene Denken und die Fähigkeit, dieses Denken sozusagen von einem Moment zum andern kurzzeitig abschalten zu können. Viele Menschen haben vom Phänomen Telepathie recht abenteuerliche Vorstellungen. So wird niemand als Telepath geboren oder diese Fähigkeit wohnt jedem Menschen inne; es bedarf nur des Wunsches um sie freizusetzen. Jemand, der diese Fähigkeit entwickelt hat, wird auch keineswegs ständig von fremden Stimmen und Empfindungen oder Gedanken bedrängt sondern wie alle anderen Fähigkeiten des Menschen so unterliegt auch diese seinem Willen, er übt sie aus und unterläßt die Ausübung wie er möchte. Wenn er sich sehr anstrengt und sehr darauf aus ist, wird er vielleicht erkennen können, was im Anderen gerade eben vorgeht, aber der "Tiefenscan" gehört auf alle Fälle ins Drehbuch von Startrek und nirgendwo anders hin. Dazu wird die Weise des Erlebens auch noch oft maßlos übertrieben - in Wahrheit ist sie eher zu überhören als aufdringlich. Ungenau allerdings ist sie nicht, solange der Fragende nicht seine eigenen Wunschvorstellungen mit den Signalen des Anderen vermischt. Das kommt leider sehr oft vor und führt dann zu erheblichen Unstimmigkeiten, die auch ein bis dahin richtiges Ergebnis total verfälschen können. - Von der Telepathie zu unterscheiden sind jene Untersuchungs- und Recherchemethoden, die sich auf die Befindlichkeiten eines Wesens beziehen. Sie werden nicht auf telepathischem Wege gewonnen, sondern auf dem Wege der aktiven Meditation, indem man nämlich den Kontakt zu diesem in seiner ursprünglichen Daseinsform sucht. In der Praxis ist es allerdings so, daß telepathische und meditative Elemente einander durchdringen und ergänzen können.


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Templer - Ritterorden, die bedeutendste jener militanten Adelsvereinigungen, die in den Kreuzzügen gegen den Islam die militärische Führung innehatten. Wie die Malteser und Johanniter so waren auch die Templer in Palästina selbst ansässig, darüber hinaus im gesamten katholischen Gebiet. Der 1118 von französischen Kreuzfahrern in Jerusalem gegründete Orden war klösterlich verfaßt und straff zentral organisiert. In ihren Komtureien und Höfen lebten sie als Mönche. In Palästina lernten die Mönche die Kultur und Wirtschaftsweise des Islam kennen - damals die modernste der Welt - und übertrugen deren Grundsätze auf europäische Gegebenheiten, was ihnen neben wichtigen Privilegien (Steuer- und Zollfreiheit) rasch zu Wohlstand und Einfluß verhalf. Der geistige Einfluß des Islam selbst darf aber nicht überschätzt werden. Die Templer blieben Katholiken, glänzten hierin sogar durch besonderen Fanatismus. Und diesem Fanatismus mangelte es durchaus an der sonst üblichen Heuchelei. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurden die Templer aus Palästina vertrieben und übertrugen ihre zentralen Strukturen nach Frankreich. Der Zustrom von soviel Reichtum weckte aber die Begehrlichkeit des finanziell ruinierten Königs Philipp IV, der außerdem dem Templerorden selbst hoch verschuldet war und in ihnen unbequeme, weil militante und mächtige Gläubiger sah. Einen Aktivposten hatte er allerdings auch - den ihm unbedingt ergebenen Papst Clemens V, ehemaligen Erzbischof von Bordeaux. Die Liaison für einen Ketzerprozeß mit dem Ziel, die Reichtümer des Ordens zwecks Sanierung der eigenen Kassen einzustecken, war perfekt - alles andere ist unqualifiziertes Gerede. Leute, die es gleich aus welchen Gründen wiederholen, plappern nur die Sprechblasen der damaligen Propaganda nach, denn natürlich konnte man einen so präsenten Orden nicht klammheimlich stumm machen - man mußte eine weit gefächerte Kampagne anlaufen lassen. Das bedeutet aber für meine von Spekulationslust schon ganz heißen Leser, die sich beim Thema Templer schon die Lippen lecken - packt den Baphomet wieder ein, es gab keinen, auch wenn die Zeichnungen eurer Schreiberlinge noch so schön sind. Andere Riten als das klösterliche Stundengebet und die Messe wurden leider in den "Tempelhöfen" nicht gehalten. Es tut uns sehr leid, das feststellen zu müssen, denn nicht wenige freundliche Menschen wollen uns weismachen, daß wir in den Templern Geistesverwandte zu sehen hätten. Warum allerdings, das ist nun wieder bezeichnend: weil die Templer angeblich orgiastische Riten gefeiert hätten, deren Ähnlichkeit mit den ein Jahrtausend früher beschriebenen Barbeliotenriten geradezu ins Auge sticht. Und da fragt man sich denn doch um die Ursache solcher Gleichstellung. Weil die Leute eben dieses Bild von Gnostikern haben, das die Kirche ihnen entwirft - so dort wie hier. Was können wir indessen für die Sexualphantasien zölibatärer Priester. Was mit den Templern angestellt wurde, erhellt vielleicht der Ausruf des Templers Aymeri de Villiers-le-Duc, welcher vor der Kommission von Narbonne 1309 erklärte: "Oh wenn ich auch verbrannt werden sollte - ich habe zuviel Angst vor diesem Tod - , ich würde unter Eid vor Euch und vor jedermann alle Verbrechen bekennen, die man dem Orden zur Last legt, ich würde bekennen, daß ich Gott ermordet habe, wenn man es von mir verlangte." Noch Fragen? Am 18. März 1314 fand das unrühmliche Schauspiel dann sein schauderhaftes Ende in und vor der Kirche Notre Dame in Paris. 1311 war der Orden auf dem Konzil von Vienne durch die Bulle Vox in excelso aufgelöst - nicht verboten - worden. Papst und König machten die erhoffte reiche Beute. Und gleich wer und was jemand gern anders hätte - dies ist leider alles, was zum Thema Templer zu sagen wäre.


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Theologie - auch wenn es so aussieht als könne das angehen; eine Betrachtungsweise der Gnosis unter theologischen Gesichtspunkte ist deplaziert. Man kann von theologischen Überlegungen zu gnostischen kommen, aber kaum gnostische mit theologischen erklären. Das liegt unter anderem an den immer wieder unvermeidlichen Mißverständnissen. Da Gott und Sein zusammenfallen und es an dieser Tatsache nichts zu interpretieren gibt, richtet das Augenmerk der Gnosis sich mehr auf die Einzelheiten der Angelegenheit und wird so "weltlich", während das theologische Denken viel stärker von der "Weltlichkeit" wegstrebt. Die Theologie hat in ihrem Weltverständnis die Ansichten der späten Gnosis doch nicht bis ins Letzte eliminieren können, ein Rest von "minder" ist geblieben, bei Manchem ein beträchtlicher, während die Gnosis diese späte Verirrung restlos aus ihrem Denken gestrichen hat - als den Tatsachen nicht entsprechend. Diese Weltlichkeit ist zwar nicht "Irdischkeit", aber "Irdischkeit" ist durchaus auch ein Bestandteil dieser Weltlichkeit. Theologie, die den Menschen mittels bestimmter Formeln und Ansichten zum Gott der jeweiligen Religion hinführen will, hat einen grundlegend anderen Gegenstand als Gnosis, auch wenn beide Gott sagen. Die Gefahr aneinander vorbeizureden liegt schon in der Sache selbst, denn die beiden Gebiete können gegenseitige Einfühlung nicht erreichen, höchstens Akzeptanz, aber das ist für einen fruchtbaren Dialog zu wenig. Die Annahme, daß es nur eine und zwar theologische Dimension des Denkens geben könne, sowie "Gott" ins Spiel kommt, hat einst die Theologen dazu veranlaßt, sich zu Interpreten und Forschern am Gegenstand Gnosis zu ernennen - das Ergebnis waren Fehlschlüsse in Menge nebst der Unfähigkeit, die verschiedenen Dokumente der antiken Gnosis zutreffend zu klassifizieren, Entwicklungslinien zu erkennen und Qualitätsunterschiede im Material festzustellen. Auch entstehungsgeschichtliche Verwerfungen werden nicht erkannt. Daß dabei auch teilweise richtige Feststellungen getroffen wurden, ist angesichts der Tatsache, daß Gnosis sich nach und nach in eine Religion verwandelte, nicht verwunderlich - ab diesem Stadium haben die Theologen in Sachen Gnosis tatsächlich etwas zu sagen - aber nur für dieses Stadium und nur soweit, wie es nicht auch in dieser Entwicklungsepoche zu genuiner Gnosis kommt, was immer wieder einmal geschieht. Denn dergleichen können sie unter den vielfachen Schichten oft nicht auffinden. Von theologischen zu gnostischen Überlegungen kommt man allerdings, wie gesagt, rasch und es ist beinahe jedem ernsthaften Theologen bereits passiert, daß er sich in solchen Überlegungen wiederfand. Das beginnt mit dem Nachdenken über ein universales Gottesbild, losgelöst von den Parametern des eigenen Glaubens, der dem suchenden Geist manchmal nicht mehr genügen will. Entweder man setzt in diesem Moment das Messer der Selbstzensur unbarmherzig an und vergißt den aufrührerischen Anflug - oder das bisherige Bild bekommt Risse, auch wenn es nicht bricht. Dies Risse sind in vielen theologischen Existenzen auffindbar. Auf der anderen Seite kann es auch mit der Suche nach einem anderen Menschenbild beginnen - die Angriffspunkte in einer Universalität sind ja frei wählbar. Auch hier hilft demjenigen, der orthodox bleiben möchte nur die bedingungslose Flucht zurück. Allerdings bleiben dann Statements wie ich sie hören durfte, daß man " eigentlich nur noch als Gnostiker Theologe sein könnte" doch eine Seltenheit. Die Mehrheit entschließt sich zu einem Mittelweg, der im Grund keines von beiden mehr ist - nicht mehr Theologie und noch nicht Gnosis. Er hat sich vom einen entfernt ohne das andere erfassen zu können und hängt in der Luft - Grund für die oft reichlich selbstquälerische Intellektualität vieler Theologen beider christlichen Konfessionen. Da andererseits aber Gnosis oft genug noch heute mit dem Schrecken einer zumindest abwegigen Lebensführung verbunden wird, finden viele in Zwiespalt geratene Theologen nicht zu ihrem natürlichen Verbündeten. Das ist schade,. aber wahrscheinlich nicht zu ändern - schade für die Betroffenen; Gnosis braucht ihrerseits die Theologie nicht. Keine Theologie - sie hat das Ganze.


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Theosophie - in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts von der in England lebenden Russin Helena Blavatsky begründete spekulativ - esoterische Bewegung mit stark mystischer Komponente. Dem erst kurz zuvor bekannt gewordenen und besonders unter esoterisch interessierten Intellektuellen jener Zeit verbreiteten hinduistischen und - religiös - buddhistischen Denken (letzteres besonders vermittelt und favorisiert durch den Deutschen Schopenhauer) ist es zu verdanken, daß diese Richtung ihr besonderes Augenmerk auf Indien richtete, das damals unter britischer Herrschaft stand. In Indien haben Theosophen allerdings nicht nur nach "Erleuchtung" gesucht, sondern auch bei der Emanzipation des Subkontinents von Britannien tatkräftig mitgeholfen. So hat die Mitarbeiterin und Nachfolgerin der Blavatsky Annie Besant, nicht nur das Hauptquartier der Gemeinde nach Madras verlegt und sich selbst als Hindu bezeichnet, sondern sie hat ihre Schüler und Schülerinnen meist europäischer Herkunft auch energisch zum Engagement für Indien erzogen.( 1876, seit 1882 bei Madras) Die inhaltliche Seite der Theosophie dürfte in ihren Einzelheiten selbst den Theosophen kaum bekannt gewesen sein, außerdem hat die Blavatsky in offenbarer Unsicherheit über die Qualität ihrer eigenen Lehren nachweislich zu Manipulationen gegriffen; ihre sorgfältig und bis ins Kleinste niedergelegte Religion der Zukunft gehört denn auch zu den vielen, von der Entwicklung auf diesem Gebiet erst einmal vergessenen Konzepten. Im modernen Indien spielt die Theosophie praktisch keine Rolle, obgleich das Hauptquartier sich nach wie vor am alten Ort befindet. Der - medial ermittelte - "neue Christus" den Annie Besant akklamierte, darf sich seinen Job inzwischen mit einer Menge neuer Christusse teilen, befindet sich, wenn überhaupt noch unter den Lebenden, dann bereits im vorgerückten Alter.(Kennzeichen aller dieser Christusse sind lebhafte Erinnerungen an eine niemals stattgehabte Kreuzigung, Auferstehung und Himmelfahrt, kurzum, sie sind Illustrationen zum Neuen Testament.) Von der Theosophie beeinflußt waren einige Europäer im Umkreis Gandhis. In Südafrika und auch später in Indien selbst. In Europa ist unter den Angehörigen der Theosophischen Gesellschaft Rudolf Steiner der wohl bekannteste.


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Thomasevangelium - bedeutendster Text der Gnosis. Eine von Judas Thomas zusammengestellte aramäische Sammlung von 153 Jesusworten samt einigen Anekdoten (die moderne, aber rein philologische Zählung nennt 114 Sprüche). Die Urschrift stammt aus dem ersten Jahrhundert ante, erhalten ist sie in koptischer Übersetzung des zweiten Jahrhunderts. Inzwischen vielfach übersetzt und veröffentlicht als Quellentext von unschätzbarem Wert, da sie die Urgestalt der Gnosis als einer universalistischen, nichtdualistischen und auch nicht pessimistischen Lehre erweist, zu der jede Religion und Philosophie Zugang finden kann. Näheres im Projekt.


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Toleranz - ethische Haltung, beinhaltet die Fähigkeit, neben der eigenen Anschauung auch die Anschauungen und Lebensweisen Anderer grundsätzlich zu respektieren. Dabei bleibt dennoch oft ein Vorbehalt. Die eigene Lebens- und Denkweise wird nämlich trotz Duldung der anderen als überlegene betrachtet. Das ist nicht im Sinne der Toleranzidee, sondern sie geht von der prinzipiellen Gleichwertigkeit aller Lebensentwürfe aus. Jede muß aus sich allein heraus den Erweis ihrer Tauglichkeit und vor allem Menschlichkeit erbringen. Dem liegt auch die Überlegung zugrunde, daß das menschliche Leben an und für sich viel zu vielgestaltig ist und viel zu verschieden begriffen werden kann, als daß ein einziges Rezept für alle diese Möglichkeiten als verbindlich angesehen werden kann. Nun ist es freilich so, daß viele intolerante und dogmatische Lebenskonzepte für sich den Anspruch erheben, von den mehr multipel funktionierenden toleriert zu werden. Das kann man gern zugestehen, wenn diese Konzepte ihrerseits das Gleiche tun. Daß Meinungen und Ansichten engagiert zur Diskussion gestellt werden, widerspricht der Toleranzidee nicht im Mindesten. Toleranz setzt ja die Existenz verschiedener - und auch vertretener - Konzepte voraus. Toleranz bedeutet nicht, Kompetenz zu leugnen. Sie bedeutet nur, diese eigene Kompetenz immer wieder im Spiegel der Allgemeinheit zu sehen und zu prüfen. Ein in der Gnosis selbstverständliches Verfahren, da es hier keine Dogmen zu vertreten gibt, sondern der Stand der Dinge so wie er ist Gegenstand aller Erörterung und Erfahrung ist. Dieser Stand wandelt sich bekanntlich. Was heute einer Ermahnung oder gar eines polemischen Hinweises bedarf, kann morgen zum Gegenstand der Zustimmung werden. Und eine Invektive, die durch unzutreffende Informationen entstanden ist, kann ohne jeden Schaden für das Ansehen des Ganzen jederzeit zurückgenommen werden. Oft genug kommt es auch darauf an, das Umfeld einer Meinung und Handlung verstehend zu beurteilen - und zum Kriterium dieses Verstehens nicht die eigene Denkweise zu machen, sondern der fremden nachzuspüren, bis man zum Grund dessen kommt, was einem Unbehagen und Zweifel verursacht hat. Dann wird es sich erweisen, ob man selbst oder der Andere die Dinge richtig gesehen hat. Toleranz bedeutet also auch, innere wie äußeren Konflikte annehmen, durchstehen und lösen zu können. Mit dem Annehmen und Durchstehen ist die bürgerliche Gesellschaft bereits ganz gut "zu Fuß", was das Lösen angeht, gibt es allerdings noch erhebliche Schwierigkeiten. Es ist eben nicht immer die Wahrheit, wenn diejenigen Ansicht sich durchsetzt für die am meisten Geld bezahlt worden ist...


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Totalität - Anspruch einer Ideologie auf Vollkommenheit und auf die Fähigkeit, alle Probleme mittels der von ihr gefundenen Lösungen bewältigen zu können. Sofern einer solchen Ideologie die Mittel zufallen, wird sie mit ungeheurer Vehemenz daran gehen, ihre Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Dabei ereignet es sich aber meistens, daß die erdachten Lösungen mit der Realität empfindlich kollidieren. Da man indessen nicht geneigt ist, die Ideologie zu verändern, wird versucht, die Realität entsprechend zu korrigieren, was wiederum nicht ohne Eingriff in die zwischenmenschlichen Beziehungen zu machen ist. Je praxisferner und versponnener aber auch je mittelmäßiger um so einschneidender werden diese Eingriffe sein. - Im weiteren Sinne jede Herrschaftsform, die darauf ausgeht, sich möglichst weite Teile der Menschheit zu unterwerfen, also auch das auf globale Vernetzung ausgehende Kapital ist eine Form von Totalität, da sie die Nichtbesitzenden von der Teilhabe an dieser Herrschaft ausschließt. Totalität ist ferner jedes Sinnen auf Unterwerfung Anderer unabhängig davon, ob es realisiert wird oder nicht. Da keine staatstechnische Organisation ohne einen Anteil Unterwerfung auskommt, kommt auch kein Staatswesen ganz ohne totalitäre Züge aus - es kommt lediglich darauf an, in welchem Verhältnis diese zum Bestreben nach Ausgeglichenheit und möglichst breiter Beteiligung möglichst vieler Schichten und Klassen an der politischen Macht stehen. - Es ist ein Vorurteil der Selbstrechtfertigung, wenn gesagt wird, daß ein nachweislich totalitäres System an sich gut gewesen sei und nur seine Sachwalter schlecht oder auch nur nicht kongenial. Ein totalitäres System gleich welcher Machart kann nicht gut sein, da es nicht auf der Balance aller Verhältnisgrößen beruht, sondern darauf, daß eine von ihnen den anderen seinen Stempel aufdrückt. Daher hat die menschliche Gesellschaft ihren zivilisatorischen Höhepunkt niemals in totalitären Systemen erreicht, sondern stets in Strukturen, die die Mitarbeit und das Engagement aller Beteiligten wollten und freisetzten ohne es freilich regellos wachsen und einander behindern zu lassen. Was wiederum bedeutet, daß ein Höchstmaß an individueller Willkür ebenfalls einer funktionierenden Gesellschaftsstruktur nicht zuträglich ist. Und von der Schwierigkeit, die Mitte zwischen beidem zu halten, zwischen Liberalität und Reglementierung, berichtet die gesamte Geschichte der Menschheit. Das liegt m.E. daran, daß Konsens auf Einsicht beruht, Einsicht aber den Willen voraussetzt, Einsicht zu nehmen und die Möglichkeit, Einsicht zu erhalten. Das ist bisher in der menschlichen Gesellschaft kaum je der Fall gewesen - meist wurden Einsichten wie Monopole gehütet. Und so war am Ende immer die Totalität in der einen oder anderen Form der Notnagel, der sogar für liberal gesinnte Regenten als Ersatz des Konsenses herhalten mußte. Das Fehlen von Einsicht macht aber nicht nur den Konsens unmöglich und damit eine einvernehmliche Regelung der gesellschaftlichen Prozesse, sondern es verursacht auch jene Leichtgläubigkeit, die im Ideologen den Erlöser sieht und ihn so in seiner eigenen Paranoia noch bestätigt. Einsichten aber zu schaffen ist die Aufgabe der Öffentlichkeit und derer, die mit ihren einzelnen Aktivitäten diese Öffentlichkeit gestalten. Überall wo das nicht geschieht, ist Totalität möglich und präsent, wenn auch nicht immer in Form ausgeprägter politischer Diktaturen, welche nur eine Facette der Totalität sind.


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Trance - hypnotisch - entrückter Zustand, der durch verschiedene Mittel (auch Rauschgifte) erreicht wird. Für die Erkenntnis unbrauchbar, da in der Erkenntnis die Vernunft letzte Instanz des Vollzuges bleibt. Die erstaunlichen Dinge, welche Menschen in Trance zuwege bringen, künden weniger von einem Verkehr mit "höheren Mächten" als davon, was ein Mensch an Fähigkeiten und Möglichkeiten zu entfalten vermag, wenn ihm die eigenen Minderwertigkeitskomplexe und die eigene Angst nicht mehr im Wege stehen. Da diese in der Trance aber nicht willentlich eliminiert sind, sondern suggestiv oder chemisch ausgeschaltet werden, sind auch die demonstrierten Fähigkeiten für den Vollziehenden substantiell wertlos. Er kann es, aber er IST es nicht, das ist der wesentliche Unterschied. Und weil er es nicht IST, wird er auch immer wieder von äußeren Bedingungen abhängig bleiben. Der gnostische Kursus kennt sehr hochgespannte Emotionen - aber er kennt keine Trancen. Das Individuum bleibt wach und bleibt bei sich.


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Traum - natürliches Bindeglied zwischen der materiellen und der wesenhaften Existenz. Als solches nicht auf die menschliche Existenz beschränkt, aber in dieser erst zur vollen Tragweite gelangend. Die laufenden Forschungen zum Traum und zum Traumgeschehen erhärten diese Feststellung mehr und mehr. In den Religionen und in der Psychologie hat der Traum seit jeher eine Rolle gespielt, desgleichen auch als kreatives Medium in Kunst und Wissenschaft. Näheres im Projekt.


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Trichotomie – "Dreiteilung" Terminus der modernen Theologie, mit dem ein anthropologisches Verfahren der antiken Gnosis beschrieben wird, das auch in der Anthroposophie maßgebend ist. Es bezeichnet die strikte Trennung von Organismus, ( Leib) seelischer und geistiger Existenz. Die leibliche, somatische oder hylische Verfassung galt als die unterste und schlechteste. Dann folgte das Reich der Wahrnehmungen und Empfindungen als das der Seele und der rein abstrakte Geist, losgelöst von Körper und Seele galt als das höchste Stadium der Entwicklung. Dementsprechend wurden die Menschen eingeteilt in Hyliker (von griechisch Hyle - Stoff) oder Somatiker (von griechisch Soma - Körper), Psychiker und Pneumatiker. Diese Trennung bezieht sich eng auf die altägyptische Seelenlehre von Ka, Ba und Ach, ohne diese jedoch in der definitorischen Feinheit zu erreichen. Die drei Aspekte der ägyptischen Seelenlehre betreffen das Wesen und nicht dessen physische Existenz, während die spätgnostische Trichotomie mit ihren Menschentypen eine Affektenlehre liefern will, die durchaus diskriminierende Züge annehmen kann. Sie ist ein Erklärungsversuch dafür, warum sich einige Menschen der Erkenntnis ganz, manche ein wenig und viele gar nicht öffneten. - Dennoch sah die antike Gnosis grundsätzlich im Menschen alle drei Aspekte gegenwärtig und stellte darauf ab, den psychischen und den hylischen nach und nach zu überwinden und allein den pneumatischen zu behalten. Das dürfte niemals gelungen sein, da dieser Weg vom Grund her nicht zutrifft. - Die moderne Gnosis respektiert keine Trichotomie, alle Aspekte, Körper, Seele und Geist entstammen derselben Quelle und sind nur verschiedene Erscheinungsformen derselben. Sie sind alle gemeinsam die Voraussetzung für das Erlangen von Erkenntnis. In der Lehre des Jeschua wird das mehrfach betont, wenn es darum geht, Erkenntnis zu Lebzeiten zu erlangen und sich nicht auf Erkennen in einem Jenseits nach dem Tode zu verlassen. Im späteren Verständnis der Gnosis wäre solch ein Standpunkt völlig unmöglich gewesen. Aber insoweit geht der Standpunkt der modernen Gnosis, der auf ganz eigenen Voraussetzungen beruht, mit der Ansicht Jeschuas über die Jahrtausende hinweg konform.

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